88. Wie man seiner Pflicht auch bei Widrigkeiten treu bleibt
Im Juni 2022 erfuhr ich, dass mehr als dreißig Brüder und Schwestern von der Polizei verhaftet worden waren, darunter auch mehrere Leiter. Viele Brüder und Schwestern und die Häuser, in denen Versammlungen stattfanden, waren gefährdet, und die Bücher mit den Worten Gottes mussten dringend in Sicherheit gebracht werden. Die Leiter beauftragten mich und zwei Schwestern, zur Chenguang-Kirche zu gehen, um uns um die Folgen zu kümmern. Ich dachte bei mir: „Ich bin durch frühere Verhaftungen polizeilich erfasst, und die Kommunistische Partei hat mich über die Jahre hinweg ununterbrochen verfolgt. Wenn ich mich jetzt um die Folgen kümmere, muss ich mich unweigerlich im öffentlichen Raum bewegen und mit Leuten in Kontakt kommen, die gefährdet sind. Wenn ich wieder verhaftet werde, würde die Kommunistische Partei mich definitiv nicht schonen. Selbst wenn sie mich nicht totschlagen, würden sie mir wahrscheinlich eine Haftstrafe von acht bis zehn Jahren geben. Was, wenn die Polizei mich jetzt, wo Gottes Werk sich dem Ende nähert, totschlagen oder zum Invaliden machen würde? Wären dann all die Jahre, in denen ich Familie und Karriere entsagt habe, und all meine Aufwendungen nicht umsonst gewesen? Wie sollte ich dann noch errettet werden und in das Himmelreich eingehen?“ Doch bei diesem Gedanken packte mich ein schlechtes Gewissen: „In einer Zeit wie dieser denke ich immer noch an mich. Wie egoistisch von mir.“ Ich erinnerte mich an einige Worte Gottes: „Gottes Werk wird um der Menschheit willen vollbracht, und die Mitwirkung des Menschen wird um Gottes Führung willen erteilt. Nachdem Gott alles vollbracht hat, muss der Mensch in seiner Praxis unablässig sein und mit Gott zusammenarbeiten. In Gottes Werk sollte der Mensch keine Mühe scheuen; er sollte seine Hingabe darbringen, und sollte sich nicht zahlreichen Auffassungen hingeben oder nur herumsitzen und auf den Tod warten. Gott kann sich für den Menschen opfern, warum kann dann der Mensch Gott seine Hingabe nicht darbringen? Gott ist dem Menschen gegenüber eines Herzens und eines Sinnes, warum kann der Mensch nicht ein wenig Zusammenarbeit darbringen? Gott wirkt für die Menschheit, warum kann der Mensch nicht manche seiner Pflichten um Gottes Führung willen ausführen? Gottes Werk ist so weit gekommen, doch obwohl ihr seht, handelt ihr nicht; ihr hört, aber bewegt euch nicht. Sind derartige Menschen nicht Ziel der Verdammnis? Gott hat bereits Sein Ganzes dem Menschen gewidmet. Warum ist der Mensch also heutzutage nicht in der Lage, seine Pflicht ernsthaft auszuführen? Für Gott hat Sein Werk erste Priorität, und das Werk Seiner Führung ist von äußerster Bedeutung. Die erste Priorität des Menschen ist, Gottes Wort in die Praxis umzusetzen und Gottes Anforderungen zu erfüllen. Dies solltet ihr alle verstehen“ (Das Wort, Bd. 1, Das Erscheinen und Wirken Gottes: Gottes Werk und die Praxis des Menschen). Als ich über Gottes Worte nachdachte, packte mich ein tiefes Schuldgefühl. Die Kommunistische Partei verfolgte die Kirche gnadenlos. Brüder und Schwestern waren in Gefahr und mussten dringend gewarnt werden, damit sie sich verstecken konnten. Auch die Bücher mit den Worten Gottes mussten in Sicherheit gebracht werden, und es gab noch so viel dringende Kirchenarbeit zu erledigen. In einer Zeit wie dieser war es notwendig, dass jemand vortrat, sich schnell um die Folgen kümmerte und die Verluste minimierte. Das entsprach Gottes Absicht. Ich aber dachte nur an meine eigene Sicherheit, zog die Arbeit der Kirche überhaupt nicht in Betracht und nahm keine Rücksicht auf Gottes Absicht. Ich hatte wirklich kein Gewissen und war so egoistisch und verachtenswert! Also nahm ich diese Pflicht an und besprach mit zwei Schwestern die Einzelheiten, wie wir uns um die Folgen kümmern sollten.
Eines Nachts sagte eine Schwester, dass etwas an ihrem Elektroroller angebracht worden sei, also sahen wir schnell nach und stellten fest, dass an beiden unserer Roller Peilsender angebracht worden waren. Das bedeutete, dass wir möglicherweise bereits von der Polizei ins Visier genommen worden waren und jeden Moment verhaftet werden konnten. Angst und Unruhe machten sich in mir breit, und sofort hatte ich wieder die Folterbilder meiner früheren Verhaftung vor Augen. Als ich damals verhaftet worden war, hatte die Polizei mich gefoltert, um mich zu zwingen, die Kirchengelder und Brüder und Schwestern zu verraten. Sie wandten eine Form von brutalem, lang andauerndem Schlafentzug an, bei dem sie mich den ganzen Tag wach hielten und mich schlugen oder erschreckten, wann immer ich einzuschlafen drohte. Das taten sie zwanzig Tage am Stück. Sie folterten mich bis zu dem Punkt, an dem das Leben schlimmer war als der Tod, und ohne Gottes Fürsorge und Schutz wäre ich schon längst gestorben. Die Erinnerung daran verfolgt mich noch immer. Außerdem war ich zu diesem Zeitpunkt bereits über sechzig Jahre alt und bei schlechter Gesundheit, mit einer Herzkrankheit und hohem Blutdruck. Ich fragte mich: „Wenn ich wieder verhaftet würde, könnte ich die Folter und die brutalen Schläge überstehen?“ Die Kommunistische Partei foltert Gläubige mit allen erdenklichen Mitteln und schlägt sie tot, ohne irgendwelche Konsequenzen fürchten zu müssen. Wenn ich zu Tode geprügelt oder zum Invaliden gemacht würde, wie könnte ich dann an Gott glauben oder meine Pflichten ausführen? Ich dachte: „Vergiss es, ich höre vorerst einfach auf, meine Pflichten zu tun, und suche mir ein Versteck. Das ist sicherer.“ Insgeheim beklagte ich mich auch darüber, dass die Leiter diese Pflicht nicht jemand anderem zugeteilt hatten. Wie konnten sie schließlich jemanden wie mich, dessen Sicherheit gefährdet war, damit betrauen, sich um die Folgen zu kümmern? Je mehr ich so dachte, desto schwerer wurde mir ums Herz. Später wurde mir klar, dass mein Zustand falsch war, also betete ich zu Gott: „Gott, mein Glaube ist zu klein. Als ich die Peilsender an den Rollern entdeckte, überkam mich die Furcht und ich wollte den Kopf einziehen wie eine Schildkröte. Ich bin wirklich egoistisch. Gott, ich bin bereit, mich auf Dich zu stützen, auf Dich zu blicken und diese Situation im Glauben zu bestehen, und ich hoffe, Du wirst mich führen, damit ich über meine Probleme nachdenken und sie erkennen kann.“ Nach dem Gebet las ich eine Passage aus Gottes Worten: „Bevor die Menschen Gottes Werk erfahren und die Wahrheit verstehen, ist es Satans Natur, die das Kommando übernimmt und sie von innen heraus beherrscht. Was beinhaltet diese Natur im Einzelnen? Warum bist du zum Beispiel selbstsüchtig? Warum verteidigst du deinen eigenen Status? Warum bist du so sehr von deinen Gefühlen beeinflusst? Warum magst du jene ungerechten Dinge und jene bösen Dinge? Was ist die Grundlage dafür, dass du solche Dinge magst? Woher kommen diese Dinge? Warum magst und akzeptierst du sie? Inzwischen habt ihr alle verstanden: Der Hauptgrund ist, dass Satans Gifte im Menschen sind. Was also sind Satans Gifte? Wie äußern sie sich? Wenn du zum Beispiel fragst, ‚Wie sollten die Menschen leben? Wofür sollten die Menschen leben?‘, werden alle antworten, ‚Jeder für sich und den Letzten holt der Teufel‘. Allein diese einfache Redensart drückt die eigentliche Wurzel des Problems aus. Satans Philosophie und Logik sind zum Leben der Menschen geworden. Was es auch sein mag, wonach die Menschen streben, sie tun es tatsächlich für sich selbst – und deshalb leben sie alle für sich selbst. ‚Jeder für sich und den Letzten holt der Teufel‘ – das ist die Lebensphilosophie des Menschen, und es repräsentiert auch die menschliche Natur. Diese Worte sind zur Natur der verdorbenen Menschheit geworden und sie beschreiben zutreffend die satanische Natur der verdorbenen Menschheit. Diese satanische Natur ist gänzlich zur Grundlage der Existenz der verdorbenen Menschheit geworden. Seit mehreren tausend Jahren und bis heute lebt die verdorbene Menschheit nach diesem Gift Satans“ (Das Wort, Bd. 3, Die Diskurse des Christus der letzten Tage: Wie man den Weg des Petrus beschreitet). Durch die Entlarvung in Gottes Worten wurde mir klar: Immer wenn ich in eine gefährliche Situation geriet, dachte ich nur an mich selbst. Die Wurzel dafür waren satanische Gifte wie „Jeder für sich und den Letzten holt der Teufel“ und „Rühre nie einen Finger, wenn du nicht dafür belohnt wirst“, denn diese Vorstellungen hatten mich tief geprägt. Diese Sprüche waren zum Maßstab geworden, nach dem ich handelte und mich verhielt. Indem ich nach diesen Gedanken und Ansichten lebte, wurde ich egoistisch und eigennützig und machte es mir zum Grundsatz, mir Vorteile zu verschaffen und Verluste zu vermeiden. Schon als ich früher noch berufstätig war, war das meine Verhaltensweise; ich wählte sogar meine Freunde danach aus, wer mir nützlich sein konnte. Nachdem ich zu Gott gefunden und meine Pflichten übernommen hatte, dachte ich immer noch nur an mich und bevorzugte leichte Aufgaben, die bei den Leitern gut ankamen. Wenn die Umstände angenehm waren, konnte ich Leid ertragen und mich bei der Ausführung meiner Pflichten aufwenden. Aber als die Situation brenzlig wurde und meine persönliche Sicherheit auf dem Spiel stand, dachte ich nur an meine eigenen Interessen und die Arbeit der Kirche war mir völlig egal. Als die Leiter mich damit beauftragten, mich um die Folgen zu kümmern, war meine erste Sorge meine eigene Sicherheit. Besonders als ich die Peilsender an unseren Rollern entdeckte, machte ich mir noch mehr Sorgen, von der Polizei überwacht zu werden, und fürchtete, jeden Moment verhaftet werden oder sogar mein Leben verlieren zu können. Ich dachte sogar daran, meinen Pflichten den Rücken zu kehren und mich zu verstecken, um mein eigenes Überleben zu sichern. Ich dachte nur an mich selbst und nahm keine Rücksicht auf die Arbeit der Kirche oder darauf, ob Brüder und Schwestern verhaftet würden. Ich war so egoistisch und verachtenswert! Sich um die Folgen zu kümmern, ist ein Wettlauf gegen die Zeit, und in einem so entscheidenden Moment wie diesem würde jeder mit Gewissen und Vernunft aufstehen, um die Interessen des Hauses Gottes zu schützen und sein Äußerstes zu tun, um die Verluste zu minimieren. Selbst wenn das bedeutete, verhaftet oder inhaftiert zu werden oder das Leben zu verlieren, würden sie sich dafür entscheiden, die Arbeit der Kirche zu schützen, um Gottes Herz zu trösten. Ich aber wollte, als ich mit der Gefahr konfrontiert wurde, weglaufen und den Kopf einziehen wie eine Schildkröte. Was für eine Menschlichkeit hatte ich da noch? Als mir das klar wurde, schämte ich mich zutiefst, bereute es und verabscheute mich selbst. Ich wollte nicht länger vor dieser Situation davonlaufen und war bereit, mich zu unterwerfen und mich ordnungsgemäß um die Folgen zu kümmern.
Später las ich eine weitere Passage aus Gottes Worten: „Unabhängig davon, wie ‚ungemein mächtig‘ Satan ist, unabhängig davon, wie verwegen und ehrgeizig er ist, unabhängig davon, wie groß seine Fähigkeit ist Schaden zuzufügen, unabhängig davon, wie breit gefächert seine Fähigkeiten sind, den Menschen zu verderben und zu locken, unabhängig davon, wie clever seine Täuschungen und Intrigen sind, mit denen er den Menschen einschüchtert, unabhängig davon, wie endlos wandelbar die Form ist, in der er existiert, ist er nie in der Lage gewesen ein einziges Lebewesen zu schaffen, war nie in der Lage, die Gesetze oder Regeln für die Existenz aller Dinge aufzustellen und ist nie in der Lage gewesen, über irgendein Objekt, sei es lebendig oder nicht lebendig, zu verfügen oder zu herrschen. Im Kosmos und am Firmament gibt es keinen einzigen Menschen und kein einziges Objekt, die aus ihm entstanden sind oder seinetwegen existieren. Es gibt keine einzige Person und kein einziges Objekt, das bzw. die von ihm beherrscht oder kontrolliert wird. Im Gegenteil, er muss nicht nur unter der Herrschaft Gottes leben, sondern muss sich darüber hinaus allen Befehlen und Geboten Gottes unterwerfen. Ohne Gottes Zustimmung kann Satan nicht leicht einen Tropfen Wasser oder ein Sandkorn an Land berühren; ohne Gottes Zustimmung hat Satan noch nicht einmal die Freiheit, die Ameisen an Land zu bewegen, geschweige denn die Menschheit, die von Gott geschaffen wurde. In den Augen Gottes ist Satan niedriger als die Lilien auf dem Berg, als die Vögel, die in der Luft fliegen und als die Fische im Meer und die Maden auf Erden. Seine Rolle unter allen Dingen ist allen Dingen zu dienen, der Menschheit zu dienen und Gottes Werk und Seinem Führungsplan zu dienen“ (Das Wort, Bd. 2, Über Gotteskenntnis: Gott Selbst, der Einzigartige I). Gottes Worte haben wirklich Autorität und Kraft. Nachdem ich sie gelesen hatte, war ich voller Glauben und erkannte, dass die Kommunistische Partei, egal wie zügellos sie wütet, immer noch in Gottes Händen liegt. Sie ist nur ein Werkzeug, um zu dienen, das Gott benutzt, um Sein auserwähltes Volk zu perfektionieren. Alles, was sie tut, geschieht im Rahmen von Gottes Erlaubnis, und wenn Gott es nicht erlaubt, kann sie niemandem schaden. Selbst wenn ich der Polizei direkt gegenüberstände, würde ich nicht gefasst werden. Ich erinnerte mich daran, wie vor ein paar Jahren viele Leiter und Mitarbeiter in unserer Gegend verhaftet wurden, während wir ahnungslos noch Versammlungen besuchten. Plötzlich kamen mehr als zehn Polizisten und klopften an die Tür. Sie klopften mehrere Minuten lang, doch wir beteten einfach weiter und öffneten nicht. Eine halbe Stunde später dachten die Polizisten, niemand sei zu Hause, und ließen zwei Beamte zur Bewachung zurück, während die anderen gingen. Später schauten wir aus dem Fenster, und als die Polizisten nicht aufpassten, nutzten wir die Gelegenheit zur Flucht. Ein anderes Mal, nachdem wir eine Versammlung beendet hatten und ein Bruder und ich gerade gegangen waren, wurden zwei Schwestern von der Polizei im Raum eingekesselt. Die Schwestern schnappten sich schnell die Computer und versteckten sich unter dem Bett, aber obwohl sie direkt vor den Augen der Polizei waren, wurden sie nicht entdeckt. Anhand dieser Tatsachen erkannte ich Gottes Allmacht und begriff, dass alles in Gottes Händen liegt. Auch wenn an meinem Roller ein Peilsender angebracht worden war, hing es nicht von der Polizei ab, ob ich gefasst würde oder nicht; es hing von Gott ab. Wenn Gott es zuließe, dass ich von der Polizei verhaftet würde, könnte ich nicht entkommen, egal, wo ich mich versteckte. Ich musste mich Gottes Herrschaft und Seinen Anordnungen unterwerfen. Als mir das klar wurde, wurde mein Herz ruhig und gefasst, und ich war nicht mehr so zaghaft und ängstlich. Wir beschäftigten uns dann weiter mit den Folgen des Vorfalls, brachten alle Bücher mit den Worten Gottes sicher an einen anderen Ort und quartierten die Brüder und Schwestern an sicheren Orten ein, damit sie ihre Pflichten tun konnten.
Nachdem die Arbeit dieser Kirche organisiert war, ging ich zu einer anderen Kirche, um mich dort um die Folgen zu kümmern. Ich traf mich mit zwei Verantwortlichen, um zu besprechen, wie die Arbeit der Kirche schnell wieder zur Normalität zurückfinden könnte. Aber zu meiner Überraschung war auch am Roller eines der Verantwortlichen ein Peilsender angebracht, und die Polizei hatte sogar unsere Unterkunft aufgesucht, um Ermittlungen anzustellen. Wieder lag eine angespannte Atmosphäre in der Luft, die mir wirklich zusetzte. Die Kommunistische Partei ist wie ein Dämon, der unerbittlich die Gläubigen verhaftet und verfolgt und die Arbeit der Kirche stört und zerstört. Sie ist wahrhaft verflucht und verdammenswert! Am nächsten Tag erhielt ich einen Brief von der oberen Leitung, der mich und eine Schwester damit beauftragte, einem Meldebrief nachzugehen. In dem Brief wurde berichtet, dass in der Kirche ein Antichrist an der Macht sei, der Menschen unterdrücke und quäle und Chaos in der Kirche verursache. Sie sagten, die Angelegenheit sei dringend, und baten mich, sie sofort zu bearbeiten. Ich wollte nicht gehen und beklagte mich insgeheim über die Person, die den Brief geschrieben hatte. Ich dachte: „Die Lage ist hier schon schlimm genug, und ausgerechnet jetzt schreibst du einen Meldebrief. Wir sind schon mit der Krisenbewältigung ausgelastet, und jetzt machst du nur noch mehr Chaos!“ Genau in diesem Moment erfuhr ich, dass zwei der Verhafteten zu Judassen geworden waren und dass sie mich beide kannten. Die Polizei hatte sie sogar nach mir befragt, und ich wusste nicht, wie viele Informationen sie der Polizei über mich preisgegeben hatten. Ich dachte: „Die Polizei jagt mich bereits. Wenn ich wieder in die Öffentlichkeit gehe, laufe ich dann nicht direkt in die Schusslinie? Wenn ich gefasst werde, wird die Polizei mich nicht so einfach davonkommen lassen. Selbst wenn sie mich nicht totschlagen, würden sie mich sicher zum Krüppel machen.“ Ich fühlte mich so hin- und hergerissen: „Dem Meldebrief nachzugehen betrifft die Arbeit der Kirche. Wenn man sich nicht umgehend um diese Antichristen und bösen Menschen kümmert, wird es noch mehr Chaos geben, und Brüder und Schwestern werden weiterhin unterdrückt und gequält. Aber dieser Meldebrief betrifft mehrere Kirchen und erfordert eine Untersuchung und Überprüfung vor Ort. Wenn ich dafür in die Öffentlichkeit gehe, laufe ich früher oder später Gefahr, verhaftet zu werden!“ Bei diesem Gedanken wurde ich sehr nervös und konnte mich einfach nicht beruhigen. Also betete ich zu Gott und bat Ihn, mir Glauben und Kraft zu geben. Nach dem Gebet erinnerte ich mich an Gottes Worte, in denen erwähnt wird, wie die Jünger des Herrn Jesus für Ihn den Märtyrertod starben. Ich suchte diese Worte schnell heraus, um sie zu lesen.
Der Allmächtige Gott sagt: „Wie kamen jene Jünger des Herrn Jesus ums Leben? Unter den Jüngern gab es jene, die gesteinigt, hinter einem Pferd hergeschleift, kopfüber gekreuzigt, von fünf Pferden gevierteilt wurden – alle möglichen Todesarten ereilten sie. Was war der Grund für ihren Tod? Wurden sie rechtsgültig für ihre Verbrechen hingerichtet? Nein. Sie verkündeten das Evangelium des Herrn, doch die weltlichen Menschen nahmen es nicht an und haben sie stattdessen verurteilt, geschlagen, beschimpft und sogar hingerichtet – so starben sie den Märtyrertod. … Tatsächlich starben ihre Körper so und schieden dahin; so verließen sie die Menschenwelt, aber das bedeutet nicht, dass ihr Ende dasselbe war. Unabhängig davon, durch welche Mittel ihr Tod und ihr Ableben erfolgte und wie dies geschah, das war nicht, wie Gott das Endergebnis dieser Leben, dieser geschaffenen Wesen, festgelegt hatte. Das musst du klar erkennen. Im Gegenteil, sie setzten genau diese Mittel ein, um diese Welt zu verdammen und Gottes Taten zu bezeugen. Diese geschaffenen Wesen setzten ihr kostbares Leben ein – sie nutzten den letzten Moment ihres Lebens, um Gottes Taten zu bezeugen, um Gottes große Macht zu bezeugen und Satan und der Welt zu verkünden, dass Gottes Taten richtig sind, dass der Herr Jesus Gott ist, dass Er der Herr und Gottes menschgewordenes Fleisch ist. Bis hin zum letzten Augenblick ihres Lebens leugneten sie niemals den Namen des Herrn Jesus. War das nicht eine Form von Gericht über diese Welt? Sie setzten ihr Leben ein, um der Welt zu verkünden, um Menschen gegenüber zu bekräftigen, dass der Herr Jesus der Herr ist, dass der Herr Jesus Christus ist, dass Er Gottes menschgewordenes Fleisch ist, dass das Werk der Erlösung der gesamten Menschheit, das Er verrichtet hat, diese Menschheit fortbestehen lässt – diese Tatsache ist auf ewig unveränderbar. Jene, die den Märtyrertod starben, weil sie das Evangelium des Herrn Jesus verkünden, in welchem Ausmaß führten sie ihre Pflicht aus? Gingen sie bis zum Äußersten? Wie zeigte sich, dass sie bis zum Äußersten gingen? (Sie opferten ihr Leben.) Das stimmt, sie bezahlten den Preis mit ihrem Leben“ (Das Wort, Bd. 3, Die Diskurse des Christus der letzten Tage: Das Predigen des Evangeliums ist die Pflicht, zu deren Erfüllung alle Gläubigen verpflichtet sind). „Wenn die, die Gott treu sind, ganz genau wissen, dass ein Umfeld gefährlich ist, ertragen sie trotzdem tapfer das Risiko, sich um die Nachwirkungen kümmern zu müssen, und sie halten die Verluste im Hause Gottes so niedrig wie möglich, bevor sie sich selbst zurückziehen. Sie geben ihrer eigenen Sicherheit keine Priorität. Sagt mir, wer könnte in diesem niederträchtigen Land des großen roten Drachen sicherstellen, dass der Glaube an Gott und die Ausführung einer Pflicht überhaupt keine Gefahr darstellen? Welche Pflicht man auch immer auf sich nimmt, sie bringt ein gewisses Risiko mit sich – doch die Ausführung der Pflicht wird von Gott in Auftrag gegeben, und während man Gott folgt, muss man das Risiko der Pflichtausführung auf sich nehmen. Man sollte Weisheit walten lassen, und man muss Maßnahmen ergreifen, um seine Sicherheit zu gewährleisten, aber man sollte seine persönliche Sicherheit nicht an die erste Stelle setzen. Man sollte Gottes Absichten berücksichtigen und das Werk Seines Hauses und die Verbreitung des Evangeliums an die erste Stelle setzen. Die Erfüllung von Gottes Auftrag an sie ist das Wichtigste, und sie steht an erster Stelle. Antichristen geben ihrer persönlichen Sicherheit die höchste Priorität; sie glauben, dass nichts anderes mit ihnen zu tun hat. Es ist ihnen gleichgültig, wenn jemand anderem etwas zustößt, ganz gleich, wer es sein mag. Solange den Antichristen selbst nichts Schlimmes zustößt, fühlen sie sich wohl. Es fehlt ihnen jegliche Treue, was durch die Wesensnatur der Antichristen bedingt ist“ (Das Wort, Bd. 4, Antichristen entlarven: Punkt 9 (Teil 2)). Im Zeitalter der Gnade legten die Jünger des Herrn Jesus Zeugnis für Ihn ab und verbreiteten das Evangelium, und dafür waren sie bereit, ihr Leben zu opfern. Zum Beispiel wurde Petrus für Gott kopfüber gekreuzigt und blieb Ihm bis in den Tod treu; Stephanus wurde für die Verkündigung des Evangeliums des Herrn Jesus zu Tode gesteinigt und so weiter. Sie bezahlten mit ihrem Leben, um Gottes Wort zu verkünden und Sein Werk vor der Welt zu bezeugen. Obwohl sie verfolgt wurden und ihr Fleisch starb, war ihr Tod wertvoll und bedeutungsvoll, und er fand Gottes Anerkennung. Ich dachte daran, wie in den letzten Tagen viele wahre Gläubige, die Gott folgten, verhaftet worden waren und grausame Folter erduldet hatten, weil sie das Evangelium des Allmächtigen Gottes der letzten Tage verkündeten und bezeugten. Einige waren zu Tode geprügelt, andere zu Krüppeln gemacht worden, aber sie würden lieber ihr Leben im Gefängnis verbringen, als Gott zu verleugnen oder Ihn zu verraten. Sie würden lieber sterben, als zu Judassen zu werden. Letztendlich legten sie ein Zeugnis ab, das über Satan triumphierte. Jetzt brauchte die Kirche dringend jemanden, der ihre Arbeit erledigte, aber ich stellte immer meine eigene Sicherheit an erste Stelle und mein Leben über alles andere. Ich war Gott weder treu noch gehorsam, geschweige denn in der Lage, irgendein Zeugnis für Ihn abzulegen. Welchen Sinn hatte es, meine unwürdige Existenz so weiterzuschleppen, ohne meine Pflichten zu tun? Ich erkannte auch, dass mein Verständnis verzerrt war, da ich mir immer Sorgen machte, dass ich, wenn ich zu Tode geprügelt oder zum Krüppel gemacht würde, meine Chance auf Errettung verlieren würde. Aber in Wirklichkeit bedeutet errettet zu werden, Gottes Werk bis zu dem Punkt zu erfahren, an dem eine Person ihre verdorbene Disposition ablegen und wahre Unterwerfung unter Gott erreichen kann. Wenn ich mich Gottes Herrschaft und Seinen Anordnungen nicht unterwerfen konnte, in der von Gott geschaffenen Situation nicht nach der Wahrheit strebte, meine Pflichten nicht gut ausführte und meine verdorbene Disposition nicht ablegte, sondern stattdessen weglief und mich wie eine Schildkröte in meinem Panzer verkroch, dann würde ich wirklich meine Chance auf Errettung verlieren. Als ich das erkannte, fasste ich den Entschluss, mich Gottes Herrschaft und Seinen Anordnungen zu unterwerfen. Egal, mit welcher Situation ich in Zukunft auch konfrontiert würde, ich würde damit anfangen, meine Pflichten und meine Verantwortung ordnungsgemäß zu erfüllen. Sollte ich eines Tages wirklich verhaftet werden, so wäre auch das von Gott zugelassen. Dann würde ich dem Vorbild der Jünger des Herrn Jesus folgen und Gott bis in den Tod treu sein. Also tarnte ich mich, und während ich mich um die Folgen der Krise kümmerte, ging ich gleichzeitig dem Meldebrief nach. Später, nach der Überprüfung, stellte ich fest, dass der größte Teil des Inhalts des Meldebriefs nicht den Tatsachen entsprach und ein kleiner Teil Verleumdung und falsche Anschuldigung war. Ich erfuhr auch, dass die Person, die den Meldebrief geschrieben hatte, sich oft unerbittlich in Menschen und Dinge verbiss, Unruhe stiftete und Zwietracht säte. Sie rächte sich an jedem, der sie korrigierte, und ihre Menschlichkeit war böswillig. Schließlich wurde sie mit Zustimmung der meisten Kirchenmitglieder aus der Kirche ausgeschlossen.
Durch diese Erfahrung bei der Krisenbewältigung gewann ich ein gewisses Verständnis für meine egoistische Natur, und ich sah auch, dass Gottes Werk unglaublich weise ist. Gott nutzt die Verhaftungen und Verfolgungen durch die KPCh als Dienst, um Sein auserwähltes Volk zu perfektionieren und auch, um die verschiedenen Arten von Menschen zu offenbaren. Zum Beispiel wurden diesmal viele Kirchenleiter, Mitarbeiter sowie Brüder und Schwestern verhaftet. Einige wollten sich schützen und bekamen in dieser widrigen Situation so viel Angst, dass sie ihre Pflichten nicht mehr taten. Andere wiederum wurden nach ihrer Verhaftung zu Judassen, um ihr Leben zu retten, verrieten ihre Brüder und Schwestern und unterzeichneten sogar die „Drei Erklärungen“, um Gott zu verleugnen und zu verraten. Aber es gab einige, die ihren Glauben an Gott nicht verloren, selbst nachdem sie verhaftet worden waren und die Gehirnwäsche, den Zwang, die Verlockungen und die Folter des großen roten Drachen durchgemacht hatten. Sie zogen es vor, ihre Haftstrafen abzusitzen und verurteilt zu werden, anstatt zu Judassen zu werden, und gelobten, Gott selbst im Tode nicht zu verraten. Sie legten ein wunderschönes und überwältigendes Zeugnis für Gott ab. Und obwohl sie dem Fleisch nach viel litten, fanden ihre Zeugnisse Gottes Anerkennung und Er erinnerte sich ihrer. Auf diese Weise wurde jeder seiner Art entsprechend eingeordnet. Obwohl der große rote Drache uns immer noch verhaftete und verfolgte, ging die Arbeit der Kirche wie gewohnt weiter. Die gefährdeten Brüder und Schwestern sowie die Bücher mit den Worten Gottes waren alle sicher an andere Orte gebracht worden, und böse Menschen und Ungläubige, die für Unterbrechungen und Störungen sorgten, waren aus der Kirche entfernt worden. Diese Situation ließ mich Gottes wundersame Taten bezeugen und erkennen, dass alles Werk Gottes von Gott Selbst getan wird. Mein Glaube an Gott ist gewachsen. Dank sei Gott!