51. Wie ich meine Schuld gegenüber meinem Vater losließ
Die Winternachmittagssonne war sanft und weich, sie schien durch das Fenster auf die bepflanzte Fensterbank, und mehrere Töpfe mit Blumen und Pflanzen sogen eifrig das nährende Sonnenlicht auf. Lan Yu schaute aus dem Fenster und spürte einen Hauch von Freiheit. Wegen ihres Glaubens an Gott war sie zu drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt und gerade erst entlassen worden. Ihre ältere Schwester war ebenfalls zweimal verhaftet worden, und auch ihr Vater war verhaftet und zu dreieinhalb Jahren verurteilt worden. Nach ihrer Freilassung blieben sie als Hauptziele der KPCh-Regierung unter strenger Überwachung. Sie waren seit über zehn Jahren voneinander getrennt gewesen und hatten sich nicht wiedersehen können. Später nahm Lan Yu mithilfe ihrer Brüder und Schwestern Kontakt mit ihrem Vater auf, und die Sehnsucht, die über ein Jahrzehnt lang eingeschlossen war, ließ sich nicht mehr zurückhalten. Endlich würde sie ihren Vater wiedersehen, den sie so lange vermisst hatte! Voller Aufregung eilte Lan Yu zu dem Ort, an dem sie ihren Vater wiedertreffen sollte. Als sie sich ihrem Ziel näherte, sah Lan Yu durchs Autofenster in der Ferne einen älteren Mann neben einem Taxi stehen, dessen Gesicht zur Hälfte von einer Maske verdeckt war. Lan Yu musterte den älteren Mann sorgfältig, und plötzlich runzelte sie die Stirn und riss die Augen weit auf – War das nicht ihr Vater, den sie seit vierzehn Jahren nicht gesehen hatte? Graues Haar lugte unter seiner Mütze hervor, und der einst kräftige Mann, an den sie sich erinnerte, stand nicht mehr so aufrecht da wie früher. Der hagere Mann stand am Straßenrand und blickte sich suchend um. Als ihr Auto um eine Ecke bog und anhielt, öffnete Lan Yu eifrig die Wagentür und eilte auf ihren Vater zu. Sie unterdrückte die Tränen, die ihr aufstiegen, und rief leise: „Papa!“ Ihr Vater antwortete mit einem „Hey!“ Seine Augen waren bereits feucht, als er antwortete und sie drängte: „Schnell, steig ins Auto. Lass uns nach Hause fahren.“
Die Sonne ging im Westen unter, und das Abendrot färbte jeden Winkel der Stadt rot. Allmählich setzte die winterliche Kälte ein, doch obwohl der Wind Lan Yu ins Gesicht wehte, fühlte sie keine Kälte. Nachdem sie das Haus betreten hatten, machte ihr Vater eilig das Bett und fragte Lan Yu, was sie essen wolle, und sie fühlte sich von Wärme und Glück umhüllt. Als sie den Kopf drehte, sah sie plötzlich eine CT-Aufnahme an der Wand hängen, und als sie die Tür zum inneren Zimmer öffnete, bemerkte sie auf dem Tisch Tüten mit Medikamenten. Lan Yu ahnte, dass es ihrem Vater nicht gut gehen musste, und konnte nicht anders, als sich zu sorgen. Nach dem Abendessen sprachen Lan Yu und ihr Vater über ihre Erlebnisse der letzten Jahre, und sie erfuhr, dass ihr Vater sich im Gefängnis zweimal mit Tuberkulose angesteckt hatte. Seine Lunge war schwer geschädigt, und sobald er sich erkältete, begann er zu keuchen und zu husten. In den letzten beiden Jahren wurden bei ihm zudem Gallensteine diagnostiziert. Er hatte zuletzt Medikamente genommen, um es unter Kontrolle zu halten; wenn es sich verschlimmern würde, müsste er operiert werden. Wegen der ständigen Schikanen durch die Polizei der KPCh hatte ihr Vater es über neun Jahre lang nicht gewagt, Brüder und Schwestern zu kontaktieren, und hatte daher kein Kirchenleben führen können. Die Brüder und Schwestern konnten ihm nur heimlich die neuesten Worte Gottes, Videos mit Erfahrungszeugnissen und Ähnliches zukommen lassen. Als Lan Yu ihrem Vater zuhörte, wie er diese Dinge erzählte, war sie sehr betroffen. Ihr Vater hatte wegen der Verfolgung durch die KPCh so viel gelitten, und sie als seine Tochter hatte nichts für ihn getan. Sie fühlte sich, als sei sie pflichtvergessen gewesen. Später, als Lan Yus Verwandte erfuhren, dass sie aus dem Gefängnis entlassen worden war, riefen sie sie an und drängten sie wiederholt: „Dein Vater wird alt und seine Gesundheit ist nicht gut; er braucht jemanden, der sich um ihn kümmert. Jetzt, wo du zurück bist, solltest du dir eine Arbeit suchen, Geld verdienen und dich um ihn kümmern.“ Die Worte ihrer Verwandten hallten in ihrem Herzen wider, und sie dachte: „Mein Vater hat mich großgezogen, mich auch vor Gott gebracht und mich gelehrt, den richtigen Weg im Leben zu wählen. Jetzt, wo er alt und krank ist, sollte ich meiner Verantwortung als Tochter gerecht werden, an seiner Seite bleiben, mit ihm sprechen und mich um ihn kümmern, damit er seine Tage glücklich verbringen kann.“ Lan Yu konsultierte daraufhin online Ärzte bezüglich des Zustands ihres Vaters, und sie arbeitete hart, um Geld zu verdienen, damit ihr Vater sich keine finanziellen Sorgen um seine medizinische Versorgung machen musste. Lan Yu wollte wirklich mehr Zeit mit ihrem Vater verbringen, und jedes Mal, wenn sie ein Lächeln auf dem Gesicht ihres Vaters sah, war sie glücklich.
Eines Tages kam Lan Yu von der Arbeit nach Hause, und ihr Vater erzählte ihr, dass ein Brief von den Leitern gekommen sei. In dem Brief stand, dass die Polizei sie zu Hause jederzeit aufsuchen und schikanieren könnte, weshalb sie dort ihre Pflicht nicht tun könne. Da die Kirche dringend Leute für textbezogene Aufgaben brauchte, hofften sie, dass sie ihr Zuhause verlassen könne, um ihre Pflicht zu tun. Nachdem sie den Brief gelesen hatte, empfand Lan Yu eine Mischung aus Freude und Sorge. Sie hatte seit mehreren Jahren keine Pflichten mehr getan, und als geschaffenes Wesen, das all das genoss, was Gott ihr gegeben hatte, hatte sie ein schlechtes Gewissen. Aber Lan Yu konnte nicht aufhören, sich Sorgen um ihren Vater zu machen. In letzter Zeit hatte sich die Krankheit ihres Vaters verschlimmert, und seine Gallenblase schmerzte jeden Tag. Wenn sie wegging, wer würde sich um ihn kümmern, falls er eines Tages operiert werden müsste? Wenn sie wegginge, um ihre Pflicht zu tun, wäre niemand da, der ihm Wasser oder Medizin bringen würde. Lan Yu erinnerte sich, wie ihr Vater einmal gesagt hatte: „Weil deine Schwester gesucht wird und du verhaftet und verurteilt wurdest, haben mich unsere Verwandten kritisiert und sich über mich beschwert, und die Dorfbewohner haben mich gemieden.“ Ihr Vater hatte niemanden gehabt, mit dem er seinen Schmerz teilen konnte, und er war so negativ und schwach geworden, dass er sogar daran gedacht hatte, seinem Leben ein Ende zu setzen. Aber später, als er sich an Gottes Worte erinnerte, überwand er seine Negativität. Lan Yu war sehr besorgt und dachte: „Was, wenn ich mein Zuhause verlasse, um meine Pflicht zu tun, und mein Vater in seinem Leid etwas Törichtes tut? Er wird alt und braucht jemanden, der sich um ihn kümmert. Was werden meine Verwandten und Freunde von mir denken, wenn ich weggehe? Werden sie nicht sagen, ich sei pflichtvergessen und es fehle mir an Menschlichkeit? Aber zu Hause werde ich meine Pflicht nicht erfüllen können. Seit meiner Entlassung aus dem Gefängnis hat die Polizei schon mehrmals angerufen und mich aufgefordert, mich auf der Wache zu melden und eine Reueerklärung zu unterschreiben.“ Allein der Gedanke an eine Zukunft endloser polizeilicher Schikanen, in der sie weder an Versammlungen teilnehmen noch ihre Pflicht erfüllen könnte, ließ Lan Yu schließlich die Entscheidung treffen, ihr Zuhause zu verlassen, um ihre Pflicht zu tun. Aber als sie aus ihrem Schlafzimmer trat und durch das Wohnzimmerfenster die gebrechliche Gestalt ihres Vaters sah, war es, als sähe sie ihn nach ihrem Weggang allein zu Hause, ohne jemanden, der bei ihm war. Sie ging zurück in ihr Schlafzimmer und betete weinend zu Gott: „Gott, ich will meine Pflicht tun, aber ich mache mir Sorgen, dass sich niemand um meinen Vater kümmern wird. Mein Vater wird alt, aber ich werde nicht da sein, um ihm meine kindliche Ehrerbietung zu erweisen. Ich habe ständig das Gefühl, dass es mir dabei völlig an Menschlichkeit mangelt. Gott, diese Entscheidung ist so schwer. Bitte erleuchte und führe mich, damit ich Deine Absichten verstehen kann.“
Nach dem Gebet las Lan Yu Gottes Worte: „Wenn das Ehren deiner Eltern aufgrund deines Lebensumfelds und der Umstände, in denen du dich befindest, nicht im Widerspruch dazu steht, dass du Gottes Auftrag erfüllst und deine Pflicht ausführst – oder, mit anderen Worten, wenn es deine Hingabe an deine Pflichtausführung nicht beeinträchtigt – dann kannst du beides gleichzeitig praktizieren. Du musst dich nicht nach außen hin von deinen Eltern trennen, und du musst ihnen nicht nach außen hin entsagen oder sie ablehnen. In welcher Situation trifft das zu? (Wenn es keinen Widerspruch darstellt, seine Eltern zu ehren und seine Pflicht auszuführen.) Das ist richtig. Mit anderen Worten, wenn deine Eltern nicht versuchen, deinen Glauben an Gott zu behindern, und sie ebenfalls gläubig sind und dich wirklich unterstützen und ermutigen, deine Pflicht mit Hingabe auszuführen und Gottes Auftrag zu erfüllen, dann ist deine Beziehung zu deinen Eltern keine fleischliche Beziehung zwischen Verwandten im typischen Sinne, sondern eine Beziehung zwischen Brüdern und Schwestern der Kirche. In diesem Falle musst du neben deiner Interaktion mit ihnen als Brüdern und Schwestern der Kirche auch ein paar deiner kindlichen Pflichten ihnen gegenüber erfüllen. Es ist auch richtig, dass du ihnen gegenüber etwas mehr Fürsorge zeigst. Solange das keine Auswirkung auf deine Pflichtausführung hat, das heißt, solange dein Herz nicht durch sie eingeschränkt wird, kannst du deine Eltern anrufen, um sie zu fragen, wie es ihnen geht, und um dich ein wenig um sie zu kümmern, du kannst ihnen helfen, ein paar Schwierigkeiten zu beheben, und dich um einige ihrer Lebensprobleme kümmern und ihnen helfen, einige der Schwierigkeiten zu beheben, die sie im Hinblick auf ihren Lebenseintritt haben – all das kannst du tun. Mit anderen Worten, wenn deine Eltern deinen Glauben an Gott nicht behindern, solltest du diese Beziehung zu ihnen aufrechterhalten, und du solltest deiner Verantwortung ihnen gegenüber nachkommen. Und warum solltest du dich um sie kümmern, für sie sorgen und sie fragen, wie es ihnen geht? Weil du ihr Kind bist. Da du diese Beziehung zu ihnen hast, hast du eine andere Art von Verantwortung, also solltest du dich ein wenig öfter nach ihnen erkundigen und ihnen mehr Unterstützung zukommen lassen. Solange sich das nicht auf deine Pflichtausführung auswirkt und solange deine Eltern deinen Glauben an Gott und deine Pflichtausführung nicht behindern oder stören und sie dich auch nicht zurückhalten, ist es natürlich und angebracht, dass du deine Verantwortung ihnen gegenüber erfüllst, und du solltest das in dem Umfang tun, in dem dein Gewissen dich dafür nicht rügt – das ist der Mindeststandard, dem du entsprechen solltest. Wenn du deine Eltern zu Hause nicht ehren kannst, weil dich deine Umstände beeinflussen und behindern, dann musst du dich nicht an diese Vorschrift halten. Du solltest dich Gottes Orchestrierungen ausliefern und dich Seinen Anordnungen unterwerfen, und du musst nicht darauf bestehen, deine Eltern zu ehren“ (Das Wort, Bd. 6, Über das Streben nach der Wahrheit: Was es bedeutet, nach der Wahrheit zu streben (4)). „Gott verlangt verschiedene Dinge von verschiedenen Menschen; Er hat unterschiedliche Forderungen an sie. Diejenigen, die als Leiter und Mitarbeiter dienen, sind von Gott berufen worden, also sollten sie Gottes Auftrag annehmen und allem entsagen, um Ihm zu folgen; sie können nicht bei ihren Eltern bleiben und sie ehren. Das ist eine Art von Situation. Gewöhnliche Nachfolger sind nicht von Gott gerufen worden, also können sie bei ihren Eltern bleiben und sie ehren. Dafür, das gut zu tun, gibt es keine Belohnungen, und sie werden dadurch auch keinerlei Segnungen erhalten, aber wenn sie ihren Eltern gegenüber keinen Respekt zeigen, dann haben sie keine Menschlichkeit. Tatsächlich ist es nur eine Art von Verantwortung, seine Eltern zu ehren, und reicht nicht an das Praktizieren der Wahrheit heran. Sich Gott zu unterwerfen bedeutet, die Wahrheit zu praktizieren, Gottes Auftrag anzunehmen ist eine Erscheinungsform der Unterwerfung unter Gott und diejenigen, die allem entsagen, um ihre Pflichten zu tun, sind Anhänger Gottes. Kurz gesagt, die wichtigste Aufgabe, die vor dir liegt, ist, deine Pflicht gut zu tun. Das ist das Praktizieren der Wahrheit, und es ist eine Erscheinungsform der Unterwerfung unter Gott“ (Das Wort, Bd. 6, Über das Streben nach der Wahrheit: Was es bedeutet, nach der Wahrheit zu streben (4)). Lan Yu dachte über Gottes Worte nach und erkannte, dass die kindliche Ehrerbietung gegenüber den eigenen Eltern eine Verantwortung ist, die man erfüllen sollte. Unter Umständen, in denen es die eigene Pflicht nicht beeinträchtigt und die Situation es erlaubt, kann man seine kindlichen Pflichten gegenüber den Eltern erfüllen. Wenn die Bedingungen es jedoch nicht zulassen, muss man sich je nach Situation und der Pflicht, die man ausführt, entscheiden. Es ist genau wie bei einigen Brüdern und Schwestern, die nicht von der KPCh verhaftet wurden und keine wichtigen Aufgaben in der Kirche übernehmen: Sie können sich um ihre Eltern kümmern, während sie ihre Pflichten ausführen. Aber manche Menschen sehen sich der Jagd und Verfolgung durch die KPCh ausgesetzt und können ihre Pflichten nicht erfüllen, wenn sie nicht von zu Hause fortgehen. In solchen Situationen können sie nicht nur daran denken, sich um ihre Eltern zu kümmern – sie müssen ihren Pflichten Vorrang geben. Lan Yu dachte darüber nach, dass, obwohl sie sich zu Hause um ihren Vater kümmern konnte, die Polizei der KPCh sie ständig schikanieren und bedrohen würde, weshalb sie zu Hause ihre Pflichten nicht erfüllen konnte. Es fehlte an Leuten für die Pflicht in der Textarbeit, und sie musste an die Arbeit der Kirche denken. Als geschaffene Wesen sollten Menschen nicht nur ihren Verpflichtungen gegenüber ihren Eltern nachkommen, sondern vor allem den Schöpfer anbeten und ihre Pflichten als geschaffene Wesen erfüllen. Lan Yu erinnerte sich, dass der Herr Jesus sagte: „Wer Vater oder Mutter mehr liebt denn Mich, der ist Mein nicht wert“ (Matthäus 10,37). Gott verlangt von den Menschen, allem zu entsagen, um Ihn zufriedenzustellen, so wie es Petrus und Johannes taten. Sie waren fähig, die Entscheidung zu treffen, ihre Eltern und ihre familiäre Zuneigung hinter sich zu lassen, um dem Herrn zu folgen und das Evangelium zu predigen, und in Gottes Augen besaßen sie Menschlichkeit. Lan Yu hatte früher geglaubt, dass diejenigen, die ihren Eltern keine kindliche Ehrerbietung erwiesen, die schlechteste Menschlichkeit besäßen. Doch nun verstand sie, dass Gott, um zu bemessen, ob eine Person Menschlichkeit besitzt, nicht darauf schaut, ob sie ihren Eltern kindliche Ehrerbietung erweist, sondern darauf, ob sie ihre Pflicht als geschaffenes Wesen gut erfüllen kann, um Ihn zufriedenzustellen. Lan Yu dachte darüber nach, wie sie gezögert und sich den Kopf zerbrochen hatte, als es um ihre Pflicht ging, wie sie sich ständig um ihren Vater sorgte und unfähig war, ihre Pflicht zu erfüllen. Aber selbst wenn sie zu einem hochgelobten, pflichtbewussten Kind geworden wäre, wäre sie Gott nicht treu gewesen, und Gott hätte es nicht gebilligt. Sie erkannte, dass das Wichtigste in diesem Moment war, die Pflicht eines geschaffenen Wesens zu erfüllen, und dass nur darin der Wert ihres Lebens lag. Bei diesem Gedanken fühlte sich Lan Yu befreit und war bereit, ihr Zuhause zu verlassen, um ihre Pflicht zu tun.
Lan Yu beendete das dreimonatige Wiedersehen mit ihrem Vater und verließ ihr Zuhause, um ihre Pflicht an einem anderen Ort zu tun. Aber tief in ihrem Inneren war sie immer noch besorgt und machte sich Gedanken um ihren Vater und plagte sich mit Schuldgefühlen, während sie ständig darüber nachdachte, wann sie ihn wieder besuchen könnte. Einmal fuhr eine Schwester, mit der sie zusammenarbeitete, nach Hause, um etwas zu erledigen, und als sie daran dachte, wie diese Schwester ihre Familie wiedersehen würde, fand ihr Herz keine Ruhe mehr. Mit den Augen auf ihren Computer gerichtet, sah sie vor ihrem inneren Auge das Bild ihres Vaters, der auf einem Stuhl saß und auf ihre Heimkehr wartete. Hatte die Polizei ihn schikaniert? Wie war sein Zustand? Hatte sich seine Krankheit verschlimmert? Was würden ihre Verwandten und Freunde dazu sagen, dass sie ihr Zuhause verlassen hatte, obwohl ihr Vater noch krank war? Lan Yus Gedanken waren ganz von diesen Überlegungen eingenommen, und sie konnte sich nicht mehr auf die Arbeit konzentrieren, die gerade vor ihr lag. Sie erkannte, dass mit ihrem Zustand etwas nicht stimmte, also betete sie zu Gott. Während ihrer Andachten las sie einen Abschnitt von Gottes Worten, der ihr eine große Hilfe war. Der Allmächtige Gott sagt: „Die meisten Menschen entscheiden sich, ihr Zuhause zu verlassen, um ihre Pflicht auszuführen, in einer Hinsicht aufgrund der umfassenderen objektiven Umstände, die es erforderlich machen, dass sie ihre Eltern verlassen, und dazu führen, dass sie nicht an der Seite ihrer Eltern bleiben können, um sich um sie zu kümmern und sie zu begleiten. Es ist nicht so, dass sie sich freiwillig entscheiden, ihre Eltern zu verlassen. Das ist ein objektiver Grund. In einer anderen Hinsicht gehst du subjektiv gesehen nicht deshalb von zu Hause fort, um deine Pflicht auszuführen, damit du deine Verantwortlichkeiten gegenüber deinen Eltern meiden kannst, sondern weil du von Gott dazu berufen wurdest. Um mit dem Wirken Gottes zu kooperieren, Seine Berufung anzunehmen und die Pflicht eines geschaffenen Wesens ausführen zu können, blieb dir keine andere Wahl, als deine Eltern zu verlassen; du konntest nicht an ihrer Seite bleiben, um sie zu begleiten und dich um sie zu kümmern. Du hast sie nicht verlassen, um dich deinen Verantwortungen zu entziehen, richtig? Sie zu verlassen, um dich deinen Verantwortungen zu entziehen, und sie verlassen zu müssen, um Gottes Ruf anzunehmen und deine Pflicht auszuführen – ist die Natur dieser beiden Gegebenheiten nicht völlig verschieden? (Ja.) In deinem Herzen sorgst du dich um deine Eltern und vermisst sie; deine Gefühle sind nicht leer. Wenn die objektiven Umstände es erlauben und du in der Lage bist, an ihrer Seite zu bleiben und gleichzeitig deine Pflicht auszuführen, dann wärst du bereit, ihnen Gesellschaft zu leisten, um dich regelmäßig um sie zu kümmern und deinen Verantwortungen nachzukommen. Aber wegen objektiver Umstände musst du sie verlassen und kannst nicht an ihrer Seite bleiben. Es ist nicht so, dass du deinen Verantwortungen als ihr Kind nicht nachkommen willst, sondern dass du es nicht kannst. … In Wirklichkeit ist es nicht so, dass du deine Eltern nicht ehrst. Es ist nicht so, dass du den Punkt erreicht hast, an dem du keine Menschlichkeit hast und du dich nicht einmal um deine Eltern kümmern oder deinen Verantwortungen ihnen gegenüber nachkommen willst. Es liegen verschiedene objektive Gründe vor, weshalb du deine Verantwortlichkeiten nicht erfüllen kannst – das bedeutet nicht, dass du deine Eltern nicht ehrst“ (Das Wort, Bd. 6, Über das Streben nach der Wahrheit: Wie man nach der Wahrheit strebt (16)). Nachdem sie Gottes Worte gelesen hatte, verstand Lan Yu. Wenn Menschen ihre Eltern verlassen, um ihre Pflicht aufgrund ihres Glaubens an Gott zu erfüllen, bedeutet das nicht, dass sie pflichtvergessene Kinder sind, denn ihre Absicht ist es nicht, sich der Verantwortung zu entziehen, sondern die Pflicht eines geschaffenen Wesens zu erfüllen. Die Christen im Zeitalter der Gnade zum Beispiel verließen ihre Eltern und Kinder, um Gottes Evangelium in der ganzen Welt zu verbreiten, was das Gerechteste unter der Menschheit war. Lan Yu wollte ihrem Vater ebenfalls kindliche Ehrerbietung erweisen und hoffte, ihn begleiten und ihm helfen zu können, seine letzten Jahre in Frieden zu verbringen. Sie wollte auch, dass ihre ganze Familie zusammenkam, Gottes Worte las und ihr erfahrungsbasiertes Verständnis teilte. Aber da sie in einem atheistischen Land ohne Religionsfreiheit lebte, erlaubte die KPCh den Menschen nicht, an Gott zu glauben oder den rechten Weg zu gehen, und wenn sie an der Seite ihres Vaters geblieben wäre, hätte sie ihre Pflicht nicht erfüllen können. Außerdem steht Gottes Werk kurz vor dem Abschluss, die großen Katastrophen haben bereits begonnen, und es gibt immer noch viele Menschen, die Gottes Werk der letzten Tage nicht angenommen haben. Gottes Evangelium zu verbreiten und mehr Menschen vor Ihn zu bringen, war ihre Pflicht, und sie unterschied sich von denen, die ihre Verantwortung mieden und ihren Eltern keine kindliche Ehrerbietung erweisen wollten. Nachdem sie diese Dinge verstanden hatte, war ihr Herz nicht mehr so beunruhigt oder eingeschränkt. Später, in ihrer Freizeit von der Pflicht, schrieb Lan Yu Briefe an ihren Vater, um ihm von ihrem Zustand zu berichten. Nach einer Weile erhielt sie einen Brief von ihrem Vater, in dem stand, dass ihre Cousine ein Rezept zur Behandlung seiner Gallensteine gefunden habe und er nun die zweite Behandlungsrunde einnehme. Die Steine in seiner Gallenblase waren kleiner als zuvor; er hatte nicht mehr so starke Schmerzen, und sein Zustand hatte sich sehr verbessert. Als Lan Yu das las, war sie zu Tränen gerührt und spürte Gottes Barmherzigkeit und Segen.
Einmal unterhielt sich Lan Yu mit einer Gastgeber-Schwester und die Schwester erzählte, dass ihre Kinder ihr ab und zu Geld schickten und ihr bei Besuchen Geschenke mitbrachten. Lan Yu dachte darüber nach, dass sie seit fast einem Jahr von zu Hause weg war, aber sie wagte es wegen der Verfolgung durch die KPCh weder, ihren Vater anzurufen, noch ihm Kleidung oder Nahrungsergänzungsmittel zu kaufen. Als Tochter hatte sie, obwohl sie bereits erwachsen war, nie etwas für ihren Vater getan. Sie fühlte sich ständig in seiner Schuld, und ein Gefühl der Unruhe plagte sie. Später suchte sie und dachte darüber nach, warum sie sich ihrem Vater gegenüber immer in der Schuld fühlte. Sie las Gottes Worte und fand die eigentliche Ursache ihres Problems. Der Allmächtige Gott sagt: „Aufgrund der Prägung durch die chinesische traditionelle Kultur in ihren traditionellen Auffassungen glauben Chinesen, dass man seine Eltern ehren muss und dass jedes Kind, das seine Eltern nicht ehrt, aufsässig ist. Diese Vorstellungen wurden den Menschen seit ihrer Kindheit anerzogen, und so wird es in praktisch jedem Haushalt gelehrt, wie auch in jeder Schule und in der Gesellschaft im Allgemeinen. Wenn der Kopf eines Menschen mit solchen Dingen gefüttert wurde, denkt er: ‚Meine Eltern zu ehren, ist wichtiger als alles andere. Würde ich sie nicht ehren, wäre ich kein guter Mensch; ich wäre ein aufsässiges Kind, ich würde in der öffentlichen Meinung verurteilt werden. Ich wäre jemand, der kein Gewissen hat.‘ Ist diese Ansicht korrekt? Die Menschen haben so viele von Gott kundgetane Wahrheiten gesehen – hat Gott gefordert, dass man seine Eltern ehren soll? Ist das eine der Wahrheiten, die Gläubige an Gott verstehen müssen? Nein, das ist es nicht. Gott hat nur über einige Grundsätze Gemeinschaft gehalten. Was sind die Grundsätze in Gottes Worten, laut denen die Menschen miteinander umgehen sollen? Liebe das, was Gott liebt, und hasse das, was Gott hasst. Das ist der Grundsatz, an den man sich halten sollte. Gott liebt diejenigen, die nach der Wahrheit streben und Seinen Willen befolgen können; das sind auch die Menschen, die wir lieben sollten. Diejenigen, die Gottes Willen nicht befolgen können, die Gott hassen und gegen Gott aufbegehren – diese Menschen werden von Gott verabscheut, und wir sollten sie auch verabscheuen. Das ist es, was Gott von den Menschen verlangt. … Satan nutzt diese traditionellen Kulturen und diese moralischen Auffassungen, um deinem Herzen und deinem Verstand Fesseln anzulegen, wodurch deine Ansichten absurd werden und du in deinem Herzen Gott leugnest und dich Ihm widersetzt, was dazu führt, dass du Gottes Worte nicht annehmen kannst; du bist von diesen Dingen Satans besessen und wurdest unfähig gemacht, Gottes Worte anzunehmen. Wenn du Gottes Worte praktizieren willst, werden diese Dinge aufbegehren und Störungen in dir verursachen und dich dazu bringen, dich gegen die Wahrheit und die Anforderungen Gottes zu sträuben. Selbst wenn du dich vom Joch der traditionellen Kultur befreien willst, wirst du machtlos sein, das zu tun. Nachdem du eine Weile gekämpft hast, wirst du einen Kompromiss eingehen. Du wirst glauben, dass traditionelle moralische Auffassungen korrekt sind und mit der Wahrheit übereinstimmen, und so wirst du Gottes Worte ablehnen oder anzweifeln und Gottes Worte nicht als die Wahrheit annehmen, und weil du der Meinung bist, dass du schließlich immer noch in dieser Welt lebst und nur dann im Leben vorankommen kannst, wenn du dich auf diese Dinge verlässt, wird es dir egal sein, ob du Errettung erlangen kannst. Da du es nicht ertragen kannst, von der öffentlichen Meinung verurteilt zu werden, würdest du dich dafür entscheiden, die Wahrheit und Gottes Worte aufzugeben und stattdessen an den moralischen Auffassungen der traditionellen Kultur festzuhalten, auf Satans Seite zu wechseln und an seiner Seite zu stehen, und es vorziehen, Gott zu kränken, anstatt die Wahrheit anzunehmen. Sagt Mir: Ist der Mensch nicht bemitleidenswert? Braucht er nicht Gottes Errettung?“ (Das Wort, Bd. 3, Die Diskurse des Christus der letzten Tage: Nur indem man seine eigenen falschen Ansichten erkennt, kann man sich wahrhaft wandeln). Durch Gottes Worte erkannte sie, dass sie von Kindheit an von traditionellen Vorstellungen wie „Die Eltern zu ehren ist eine Tugend, die es über alles zu erheben gilt“ und „Die Eltern zogen mich auf, als ich klein war, also muss ich mich um sie kümmern, wenn sie alt sind“ beeinflusst worden war. Sie dachte, da ihre Eltern so viele Jahre Mühe in ihre Erziehung gesteckt hatten, sollte sie ihnen kindliche Ehrerbietung erweisen, und wenn sie alt würden, sollte sie sich um sie kümmern und sie bis zum Ende begleiten, denn das sei es, was es hieß, ein Gewissen zu haben. Deshalb zögerte sie, ihr Zuhause zu verlassen und ihre Pflicht zu erfüllen, aus Angst, man würde sie als pflichtvergessenes, undankbares Kind beschimpfen. Als sie sah, wie ihre Arbeitspartnerin nach Hause fuhr, um ihre Eltern zu besuchen, empfand Lan Yu Neid, und da sie in ihren Schuldgefühlen gegenüber ihrem Vater versank, konnte sie sich nicht mehr auf ihre Pflichten konzentrieren. Sie erkannte, dass Satan genau solche scheinbar plausiblen Gedanken und Vorstellungen benutzt, um die Menschen in die Irre zu führen und zu kontrollieren, damit sie nur daran denken, die Güte ihrer Eltern zu erwidern und nicht ihre Pflicht als geschaffene Wesen zu erfüllen. Wenn sie weiterhin an diesen traditionellen Vorstellungen festhielt, würde sie nur von Satan getäuscht und geschädigt werden, und sich am Ende von Gott distanzieren, Gott verraten und schließlich erleben, dass Gott ihr den Rücken kehrt. Satan ist wahrhaft heimtückisch und böswillig!
Lan Yu las daraufhin weitere Worte Gottes und fand Wege der Praxis. Gott sagt: „Jedenfalls kommen deine Eltern, wenn sie dich aufziehen, einer Verantwortung und Verpflichtung nach. Dich zu einem Erwachsenen heranzuziehen ist ihre Verpflichtung und Verantwortung, und das kann man nicht als Güte bezeichnen. Da man es nicht als Güte bezeichnen kann, kann man dann sagen, dass es etwas ist, was du berechtigt bist zu genießen? (Ja, das kann man.) Es ist eine Art Recht, das du genießen solltest. Du hast das Recht, von deinen Eltern großgezogen zu werden, denn bevor du das Erwachsenenalter erreichst, ist die Rolle, die du spielst, die eines Kindes, das großgezogen wird. Was du also erhältst, ist schlichtweg die Erfüllung der Verantwortung deiner Eltern dir gegenüber, keine Gefälligkeit oder Güte von ihnen. Für jedes Lebewesen ist das Gebären und Aufziehen von Kindern, die Fortpflanzung und das Großziehen des Nachwuchses eine Art Verantwortung. Zum Beispiel müssen Vögel, Rinder, Schafe und sogar Tiger ihren Nachwuchs aufziehen, nachdem sie sich fortgepflanzt haben. Es gibt keine Lebewesen, die ihren Nachwuchs nicht aufziehen. Es mag einige Ausnahmen geben, aber diese bleiben uns unbekannt. Es handelt sich um ein natürliches Phänomen des Überlebens von Lebewesen, es handelt sich um einen Instinkt, den Lebewesen haben, und es kann nicht als Güte aufgefasst werden. Sie halten sich lediglich an das Gesetz, das der Schöpfer für Tiere und die Menschheit festgelegt hat. Daher ist es keine Art von Güte, wenn deine Eltern dich aufziehen. Auf dieser Grundlage kann man sagen, dass deine Eltern nicht deine Gläubiger sind. Sie erfüllen dir gegenüber ihre Verantwortung. Es spielt keine Rolle, wie viel Herzblut sie für dich aufwenden und wie viel Geld sie für dich ausgeben, sie sollten keine Gegenleistung von dir verlangen, denn als Eltern ist das ihre Verantwortung. Da es eine Verantwortung und eine Verpflichtung ist, sollte es unentgeltlich sein, und sie sollten nicht von dir verlangen, es ihnen zurückzuzahlen. Indem sie dich aufziehen, erfüllen deine Eltern lediglich ihre Verantwortung und Verpflichtung; es sollte unentgeltlich geschehen, nicht als ein Handel. Daher brauchst du keine Einstellung der Rückzahlung zu haben, wenn es darum geht, wie du deine Eltern behandelst oder die Beziehung zwischen dir und ihnen handhabst. Wenn du deine Eltern mit einer solchen Einstellung behandelst, es ihnen mit einer solchen Einstellung zurückzahlst und die Beziehung zwischen dir und ihnen mit einer solchen Einstellung handhabst, dann ist das eigentlich unmenschlich. Gleichzeitig wirst du dadurch dafür anfällig, von deinen fleischlichen Gefühlen eingeschränkt und gefesselt zu werden, und es ist schwierig für dich, aus diesen Verstrickungen herauszukommen, so sehr, dass du vielleicht sogar vom Weg abkommst“ (Das Wort, Bd. 6, Über das Streben nach der Wahrheit: Wie man nach der Wahrheit strebt (17)). Nachdem sie Gottes Worte gelesen hatte, verstand sie, dass Kinder aufzuziehen Teil der Verantwortung eines Elternteils und ein Gesetz und ein Grundsatz ist, die Gott für die Menschen festgelegt hat. Ihr Vater hatte sie großgezogen und vor Gott gebracht, und das war die Verantwortung, die Gott ihm übertragen hatte. Sie sollte das Großziehen und Erziehen durch ihre Eltern nicht als eine Güte betrachten, noch sollte sie ständig daran denken, sie zu erwidern, sondern sie sollte es richtig betrachten. Sie erkannte auch, dass es Gott war, der ihre Eltern und ihre Familie arrangiert hatte, und dass es Gott war, der über sie wachte und sie beschützte. Sie dachte zurück an die Zeit, als sie 18 Jahre alt war. Einmal, auf dem Heimweg von der Arbeit, fuhr sie mit ihrem Motorrad in einen großen Erdhaufen am Straßenrand. Sie machte einen vollen Salto in der Luft und landete auf dem Rücken mitten auf der Straße, gerade als ein großer Lastwagen herannahte. Der Fahrer machte eine Vollbremsung und kam nur wenige Schritte vor ihr zum Stehen. In diesem Moment auf Leben und Tod hätten ihre Eltern sie nicht beschützen können, selbst wenn sie an ihrer Seite gewesen wären. Es war Gott, der sie aus dem Verborgenen beschützt und ihr das Überleben ermöglicht hatte. Sie dachte auch an die Jahre, die sie im Gefängnis verbracht hatte. Ihr Vater konnte sich nur Sorgen um sie machen, war aber machtlos, irgendetwas zu tun. Immer wenn sie sich negativ und schwach fühlte, erinnerte sie sich an Hymnen von Gottes Worten, und durch die Führung von Gottes Worten verstand sie Gottes Absichten und gewann Glauben. Sie erfuhr, dass Gott allein ihr wahrer Halt war, dass sie Gott am meisten schuldete und dass sie sich Gott unterwerfen und ihre Pflicht erfüllen sollte, um Gottes Liebe zu erwidern. Wenn sie nur daran dachte, ihren Eltern kindliche Ehrerbietung zu erweisen, ohne ihre Pflicht zu erfüllen, wäre das das Verhalten von jemandem, dem es an Menschlichkeit mangelt. Nachdem sie diese Dinge verstanden hatte, sah sie einen klaren Weg der Praxis vor sich und war bereit, ihre Pflicht gut zu erfüllen, um Gottes Herz zu trösten.
Ehe sie sich versah, waren fast zwei Jahre vergangen, seit sie ihren Vater das letzte Mal gesehen hatte. Gelegentlich erhielt sie Briefe von ihm, in denen er ihr erzählte, dass die Polizei ihn immer noch schikanierte, dass er krank gewesen war und Medikamente nahm und dass er sich manchmal negativ, verloren und einsam fühlte. Als sie das las, machte sie sich ein wenig Sorgen um ihren Vater, aber dann dachte sie an Gottes Worte: „Deine Eltern sind in Gottes Händen; worüber musst du dir also noch Sorgen machen? Jegliche Sorgen, die du haben magst, sind unnötig. Jeder Mensch wird bis zum Schluss reibungslos gemäß Gottes Souveränität und Anordnungen leben und das Ende seiner Reise erreichen, ohne jede Abweichung. Die Menschen müssen sich also um diese Angelegenheit keine Sorgen mehr machen. Ob du deine Eltern ehrst, ob du deinen Verantwortungen gegenüber deinen Eltern nachgekommen bist oder ob du dich für die Güte deiner Eltern revanchieren solltest – das sind keine Belange, über die du nachdenken solltest, sondern Belange, die du loslassen solltest“ (Das Wort, Bd. 6, Über das Streben nach der Wahrheit: Wie man nach der Wahrheit strebt (16)). Sie verstand, dass ihr Vater auch in Gottes Händen war, dass alles, was er erleben sollte, von Gott arrangiert worden waren und dass das, was Gott arrangiert, immer passend ist. Lan Yu dachte daran, wie ihr Vater, als sie zu Hause gewesen war, unter starken Gallenschmerzen gelitten hatte. Doch obwohl sie sehr betroffen war, hatte sie nichts tun können, um ihm zu helfen. Alles, was sie tun konnte, war, ihren Vater daran zu erinnern, seine Medizin zu nehmen, aber sonst nichts. Sie dachte auch daran, wie ihr Vater negativ und schwach gewesen war und sogar Selbstmord begehen wollte. Ohne sie an seiner Seite war es Gott gewesen, der ihn erleuchtet und geführt hatte, damit er Gottes Absichten verstand. Es waren Gottes Worte, die ihn angeleitet und geführt haben, die ihm Glauben gaben und seinen Zustand verbesserten. Sie erkannte, dass Gott die Menschen immer aus dem Verborgenen bewacht und beschützt, dass ihre Sorgen unnötig waren und dass sie ihren Vater Gott anvertrauen und sich einfach darauf konzentrieren sollte, ihre Pflicht gut zu erfüllen. Als sie so dachte, konnte sie ihre Sorgen und Bedenken um ihren Vater loslassen. Wann immer sie Zeit hatte, schrieb sie Briefe an ihren Vater, sprach über ihren Zustand, teilte ihre jüngsten Einsichten und Gewinne mit, und wenn der Zustand ihres Vaters schlecht war, hielt sie mit ihm über Gottes Worte Gemeinschaft. Lan Yu verharrte nicht länger in dem Zustand, ihrem Vater etwas schuldig zu sein; sie konnte ihr Herz zur Ruhe bringen und sich auf ihre Pflicht konzentrieren. Aus tiefstem Herzen dankte sie Gott für Seine Führung!