18. In einer gefährlichen Situation meiner Pflicht treu bleiben
Eines Tages im Juli 2023, als ich von einer Versammlung zurückkam, eilte eine Schwester auf mich zu und erzählte mir, dass eine Diakonin für allgemeine Angelegenheiten namens Qiu Ling und eine Kirchenleiterin verhaftet worden waren. Sie schärfte mir auch ein, bei Versammlungen extrem vorsichtig zu sein. Ich war ziemlich erschrocken und dachte: „Ich treffe mich ständig mit Qiu Ling und bin oft bei ihr zu Hause. Hat die Polizei mich etwa schon im Visier? Vor zwei Jahren wurde ich wegen meines Glaubens an Gott angezeigt. Die Polizei hat damals ein Video von mir gemacht. Wenn sie mich noch einmal verhaften, gelte ich als Wiederholungstäterin. Wenn sie mich dann nicht umbringen, werden sie mich zumindest schwer zurichten.“ Kurz darauf kam eine andere Kirchenleiterin und sagte, sie würde sich um die Nachwirkungen kümmern. Sie bat mich, die Neulinge zu bewässern und zu unterstützen, damit sie angesichts von Verfolgung und Mühsal standhaft bleiben könnten. Als sie mir diese Aufgabe übertrug, überkam mich plötzlich Panik und ich dachte: „Es ist gerade so gefährlich. Schickt sie mich da nicht direkt in die Schusslinie?“ Vor meinem geistigen Auge liefen Bilder von Brüdern und Schwestern ab, die auf alle erdenkliche Weise gefoltert wurden. Voller Sorge dachte ich: „Die Polizei hat ein Video von mir. Sobald sie mich schnappen, werden sie bestimmt nicht zimperlich mit mir umgehen. Wenn ich die Folter nicht ertrage und zum Judas werde, verspiele ich nicht nur meine Rettung, sondern werde auch zur Bestrafung in die Hölle herabfahren. Wäre dann nicht alles, was ich all die Jahre in meinem Glauben getan habe – dass ich meiner Familie entsagt und meinem Beruf den Rücken gekehrt habe, mich aufgewendet, gelitten und einen Preis gezahlt habe – völlig umsonst gewesen?“ Bei dem Gedanken wollte ich mich am liebsten in meiner Gastunterkunft verkriechen und nicht mehr hinausgehen. Das schien mir der sicherere Weg zu sein. Doch dann wurde mir klar, dass diese Denkweise falsch war. Wäre es in einem so kritischen Moment nicht egoistisch von mir, feige zu sein und nur meine eigene Haut retten zu wollen? Die Leiterin riskierte selbst Gefahr, um sich um die Nachwirkungen zu kümmern. Wenn sie wie ich beim kleinsten Anzeichen von Gefahr zurückschrecken würde – wer würde sich dann um die Nachwirkungen kümmern? Mit dieser Erkenntnis nahm ich die Aufgabe an, obwohl ich immer noch ziemlich furchtsam und ängstlich war.
Gegen Mittag des nächsten Tages erfuhr ich, dass eine Gastgeberschwester und ihre jüngere Schwester von der Polizei verhaftet worden waren. Ich dachte bei mir: „Ich war doch erst vor Kurzem mit ihnen auf einer Versammlung, und jetzt wurden sie verhaftet. Wenn ich jetzt rausgehe, werde ich dann nicht auch verhaftet?“ Ich war hin- und hergerissen: Wenn ich das Haus verlassen würde, könnte ich verhaftet werden. Wenn ich aber hierblieb, würden die anderen Brüder und Schwestern nichts von der Verhaftung der beiden Schwestern erfahren. Wenn ich sie nicht sofort informieren würde, bestünde für sie ebenfalls die Gefahr, verhaftet zu werden. Also beschloss ich, loszugehen und ihnen zu sagen, was passiert war, und sie zu bitten, die Versammlungen vorübergehend auszusetzen und alle ihre Bücher mit Gottes Worten gut zu verstecken. Nach meiner Rückkehr dachte ich: „Ich darf auf keinen Fall noch einmal raus. Es ist einfach zu gefährlich!“ Doch zu meiner Überraschung kam am frühen Abend Bruder Wang Bin zu mir. Er erzählte, dass die Leiter eigentlich eine Arbeitsbesprechung in seinem Haus geplant hatten, seine Frau aber gerade verhaftet worden war und er nur durch einen Sprung über eine Mauer entkommen konnte. Bruder Wang sagte, wir müssten die Leiter sofort informieren, damit sie nicht zu seinem Haus gehen. Da bekam ich noch mehr Angst und Panik und meine Knie wurden weich. Ich dachte: „Wenn die Polizei dir gefolgt ist und dich überwacht hat, werden sie mich todsicher verhaften, sobald ich vor die Tür trete! Diese Polizisten sind extrem bösartig und grausam zu Gottes auserwähltem Volk und ich stehe sowieso schon auf ihrer Fahndungsliste. Wenn sie mich verhaften und totschlagen, werde ich meinen Mann und mein Kind nie wiedersehen!“ Doch außer Wang Bin, der der Polizei gerade mit knapper Not entkommen war, war nur noch eine ältere Schwester verfügbar. Sie war fast 80 Jahre alt und nicht mehr gut zu Fuß. Außerdem war es schon dunkel. Es lag also an mir, den Leitern die Nachricht zu überbringen. Hastig betete ich zu Gott und erinnerte mich dann an eine Passage von Gottes Worten, die ich gelesen hatte: „Die Untreue der Menschen zeigt sich darin, wie sie sich immer selbst schützen, wie sie sich zurückziehen, wann immer sie mit irgendetwas konfrontiert sind, wie eine Schildkröte in ihren Panzer, und warten, bis alles vorbei ist, bevor sie ihren Kopf wieder herausstrecken. Egal, worauf sie stoßen, sie gehen immer auf Eierschalen, fühlen sich sehr beklommen, besorgt und beunruhigt und sind außerstande, aufzustehen und die Arbeit der Kirche zu verteidigen. Was ist hier das Problem? Bedeutet das nicht, keinen Glauben zu haben? Du hast keinen wirklichen Glauben an Gott, du glaubst nicht, dass Gott der Herrscher über alle Dinge ist, und du glaubst nicht, dass dein Leben und alles, was mit dir zu tun hat, in Gottes Händen liegt. Du glaubst diese Worte Gottes nicht: ‚Ohne Gottes Erlaubnis wagt Satan nicht, auch nur ein einziges Haar auf deinem Körper zu bewegen.‘ Du verlässt dich auf deine eigenen Augen, um die Fakten zu beurteilen, du beurteilst Dinge anhand deiner eigenen Berechnungen und schützt dich dabei bei jeder Gelegenheit. … Warum gibt es keinen wahren Glauben an Gott? Liegt das daran, dass die Erfahrungen der Menschen zu oberflächlich und die Wahrheiten, die sie verstehen, zu wenige sind, um ihnen zu erlauben, diese Dinge zu durchschauen, oder woran liegt es? Hat es nicht etwas mit den verdorbenen Dispositionen der Menschen zu tun? Liegt es nicht daran, dass die Menschen zu betrügerisch sind? (Doch.) Egal, wie viele Dinge sie erleben, egal wie viele Fakten ihnen vorgelegt werden, sie glauben nicht, dass es das Werk Gottes ist oder dass das Schicksal eines Menschen in Gottes Händen liegt. Das ist ein Aspekt. Ein weiteres todbringendes Problem ist, dass die Menschen zu sehr auf ihr eigenes Wohl bedacht sind. Sie sind nicht bereit, für Gott, für Sein Werk, für die Interessen des Hauses Gottes, für Seinen Namen oder für Seine Ehre einen Preis zu zahlen oder Opfer zu bringen. Sie sind nicht bereit, irgendetwas zu tun, das auch nur das kleinste bisschen Gefahr mit sich bringt. Die Menschen sind zu sehr auf ihr eigenes Wohl bedacht! Weil sie Angst vor dem Tod haben, vor Demütigung, davor, von bösen Menschen in eine Falle gelockt zu werden oder in eine Zwangslage zu geraten, bemühen sich die Menschen nach Kräften, ihr eigenes Fleisch zu schützen und sich nicht in gefährliche Situationen zu begeben. Einerseits verhalten sich die Menschen auf diese Weise, weil sie zu betrügerisch sind; andererseits liegt es daran, dass sie zu sehr auf ihr eigenes Wohl bedacht und zu egoistisch sind“ (Das Wort, Bd. 6, Über das Streben nach der Wahrheit: Wie man nach der Wahrheit strebt (19)). Das Gericht und die Bloßstellung durch Gottes Worte trafen mich bis ins Mark. Ich schämte mich zutiefst: Ich verhielt mich haargenau so, wie Gott es beschrieben hatte. Solange keine Gefahr drohte und alles glattlief, verkündete ich immer, Gott habe die Herrschaft über alle Dinge, Er kontrolliere alles und das Schicksal des Menschen liege in Seinen Händen, und egal wie schwierig die Situation auch sei, wir sollten unsere Pflicht gut ausführen und in unserem Zeugnis für Gott standhaft bleiben. Jetzt wurde mir klar, dass ich nur Parolen aufgesagt hatte. Meine Pflicht zu erfüllen und Gott zufriedenzustellen – all das waren nur meine Wunschvorstellungen. Die Leiter schwebten in Gefahr, verhaftet zu werden, und Wang Bin bat mich, ihnen eine Nachricht zu überbringen. Jeder Mensch mit auch nur einem Funken Menschlichkeit hätte an die Interessen der Kirche gedacht und den Brief sofort überbracht. Doch ich war egoistisch und betrügerisch und dachte nur an meine eigene Sicherheit. Ich wollte nicht gehen, weil ich Angst hatte, man würde mich beschatten und verhaften, wenn ich den Brief überbrachte, und ich befürchtete, im Falle einer Verhaftung gefoltert zu werden. In diesem gefährlichen Moment dachte ich nicht im Geringsten an die Interessen von Gottes Haus oder an die Sicherheit meiner Brüder und Schwestern. Ich klammerte mich ans Leben und fürchtete den Tod, und tat nur, was mein eigenes Überleben sicherte. Ich verdiente es gar nicht, eine Gläubige zu sein! Als mir das klar wurde, zögerte ich nicht länger, schwang mich auf meinen Roller und brachte den Leitern sofort den Brief. Nachdem sie die Nachricht erhalten hatten, gingen die Leiter nicht zu Wang Bins Haus.
Die Polizei führte ihre Verhaftungen fort und die Brüder und Schwestern wurden nacheinander festgenommen. Die meisten Brüder und Schwestern in der Kirche setzten ihre Versammlungen vorerst aus. Doch es gab noch einige Neulinge, die meine Bewässerung und Unterstützung brauchten. Ich war innerlich zerrissen: Bei all den Verhaftungen könnten die Neulinge, weil sie nicht an Versammlungen teilnehmen konnten, Gottes Absichten vielleicht nicht begreifen und die Kirche jederzeit wieder verlassen. Andererseits hatte ich gehört, dass die Polizei die verhafteten Brüder und Schwestern dazu zwang, andere auf Fotos zu identifizieren. Wer drei Brüder und Schwestern verriet, wurde freigelassen. Sollte mich jemand verraten, wäre ich in höchster Gefahr. Dieser Gedanke machte mich wieder ängstlich. Dann erinnerte ich mich an folgende Worte Gottes: „Was Menschen erreichen können, sollten sie nach Kräften zu vollbringen versuchen; der Rest obliegt Gott; Er wird Seine Herrschaft ausüben und orchestrieren und führen. Darüber machen wir uns am wenigsten Sorgen. Gott stärkt uns den Rücken. Wir haben nicht nur Gott in unseren Herzen, sondern auch echten Glauben. Das ist kein geistlicher Beistand; tatsächlich ist Gott im Verborgenen, und Er steht an der Seite der Menschen, Er ist immer bei ihnen. Wann immer die Menschen etwas tun oder eine Pflicht ausführen, schaut Er zu; Er ist da, um dir jederzeit und an jedem Ort zu helfen, dich zu behüten und zu beschützen. Die Menschen sollten ihr Äußerstes geben, um das zu vollbringen, was sie vollbringen sollten. Solange du dir dessen bewusst wirst, es in deinem Herzen spürst, es in Gottes Worten siehst, von Menschen um dich herum daran erinnert wirst oder Gott dir irgendein Signal oder Omen gibt, das dir Informationen liefert – dass dies etwas ist, das du tun solltest, dass dies Gottes Auftrag an dich ist –, solltest du deine Verantwortung erfüllen und nicht tatenlos zusehen oder von der Seitenlinie aus zuschauen“ (Das Wort, Bd. 5, Die Verantwortlichkeiten von Leitern und Mitarbeitern: Die Verantwortlichkeiten von Leitern und Mitarbeitern (21)). Gottes Worte spendeten mir Trost und gaben mir Kraft. Ich verspürte ein Gefühl des Glaubens und wusste: Mit dieser gefährlichen Situation stellte Gott mich auf die Probe. Gott prüfte jedes meiner Worte und jede meiner Taten genau. Und egal, wie sehr ich auch litt, ich musste Ihm treu bleiben und durfte mich von keinem Menschen, keinem Ereignis und keiner Sache aufhalten lassen. Gott war mein Fels. Ganz gleich, wie gefährlich die Lage da draußen auch war oder wie bösartig und wahnsinnig der große rote Drache wütete – alles lag in Gottes Händen und unterstand Seinen Orchestrierungen und Seiner Herrschaft. Je entscheidender und ernster die Lage wurde, desto mehr musste ich meine Pflicht gut ausführen, in meinem Zeugnis für Gott standhaft bleiben und Satan beschämen. Mit dieser Erkenntnis tarnte ich mich und ging sofort los, um die Neulinge zu bewässern.
Kurz darauf gab es in unserer Kirche eine ganze Verhaftungsserie, bei der über zehn Brüder und Schwestern festgenommen wurden. Für mich gab es nun keine sichere Gastunterkunft mehr. Als ich die Straße entlanglief, überkam mich tiefe Traurigkeit und mir schossen die Tränen in die Augen. Ich dachte: „Wann hat dieses heimatlose Umherziehen endlich ein Ende? Einige meiner Brüder und Schwestern wurden verhaftet, andere wurden verraten. Keine Gastunterkunft ist mehr sicher. Wohin soll ich nur gehen?“ Leise betete ich zu Gott und bat Ihn, mir einen Weg zu bahnen. Etwas später kam mir dieser Abschnitt Seiner Worte in den Sinn: „Du musst immer daran denken, dass Gott bei den Menschen ist, dass du, ganz gleich, welche Schwierigkeiten du hast, nur zu Gott beten und bei Ihm suchen musst und dass für Gott nichts schwer zu vollbringen ist. Du musst diesen Glauben haben. Da du glaubst, dass Gott der Herrscher über alles ist, warum hast du dann trotzdem Angst, wenn dir etwas widerfährt, und meinst, dass du nichts hast, auf das du dich verlassen kannst? Das beweist, dass du nicht auf Gott vertraust. Wenn du Ihn nicht als deine Stütze und als deinen Gott ansiehst, dann ist Er nicht dein Gott“ (Das Wort, Bd. 3, Die Diskurse des Christus der letzten Tage: Teil 3). Gottes Worte riefen mir in Erinnerung, dass Gott über alle Dinge herrscht. Solange wir uns wirklich auf Gott verlassen, wird Er uns führen. Dadurch schöpfte ich wieder Glauben. Während ich weiterging, dachte ich nach und erinnerte mich plötzlich daran, dass das Haus einer älteren Schwester noch relativ sicher war, also machte ich mich sofort auf den Weg dorthin. Die Schwester nahm mich ohne zu zögern auf. In diesem Moment spürte ich wirklich, dass Gott der unerschütterliche Halt des Menschen ist, und es obliegt den Menschen, sich auf Gott zu verlassen, um den auftretenden Schwierigkeiten zu begegnen.
Eines Tages, nachdem ich Neulinge bewässert hatte, suchte ich eine frühere Gastunterkunft auf, um ein paar Fragen zu stellen. Zu meinem Entsetzen erzählte mir die Gastgeberschwester, dass ihr Haus gerade eben durchsucht worden war und ich sofort verschwinden müsse. Hastig machte ich mich durch eine kleine Gasse davon. Ich hatte Angst, verfolgt zu werden, und mein Herz raste. Ich dachte: „Die Polizei hat bereits meine Daten. Wenn ich ihnen dieses Mal in die Hände falle, schlagen sie mich bestimmt tot!“ Je mehr ich darüber nachdachte, desto ängstlicher wurde ich. Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Ich betete ununterbrochen zu Gott: „Oh Gott! Wenn ich der Polizei dieses Mal in die Hände falle, dann geschieht es mit Deiner Erlaubnis. Ich bin bereit, mich zu unterwerfen. Bitte schenk mir nur Glauben, Kraft und den Willen, Leid zu ertragen, damit ich in meinem Zeugnis für Dich standhaft bleiben und Satan beschämen kann.“ Nach dem Gebet kamen mir diese Worte Gottes in den Sinn: „Der Tod ist seinem Wesen nach genauso wie jedes andere große Ereignis im Leben; keines dieser Dinge ist eine Frage menschlicher Entscheidung, geschweige denn, dass es durch menschlichen Willen geändert werden kann. Vielmehr unterliegt all dies der Vorherbestimmung und Herrschaft des Schöpfers. Wenn jemand um den Tod flehen würde, würde er nicht zwangsläufig sterben; wenn er darum flehen würde zu leben, würde er nicht zwangsläufig leben. All das untersteht der Herrschaft und Vorherbestimmung Gottes, und es wird durch die Autorität Gottes, durch Gottes gerechte Disposition und durch Gottes Herrschaft und Fügungen geändert und entschieden“ (Das Wort, Bd. 6, Über das Streben nach der Wahrheit: Wie man nach der Wahrheit strebt (4)). „Wenn alles, was du tust, darin besteht, Slogans darüber zu rufen, was du für Gott tun willst, wie du deine Pflicht erfüllen willst und wie viel du dich für Gott aufwenden und anstrengen willst, ist das sinnlos. Wenn die Realität dich einholt, wenn du gebeten wirst, dein Leben zu opfern, ob du dich dann im letzten Moment beschweren wirst, ob du bereit sein wirst, und ob du dich wirklich unterwerfen wirst – das ist der Test deiner Größe. Wenn du in dem Moment, in dem dir das Leben genommen werden soll, gelassen bist, bereit, dich klaglos zu unterwerfen, du das Gefühl hast, deine Verantwortung, deine Verpflichtung und Pflichten bis zum Schluss erfüllt zu haben, und dein Herz fröhlich und friedlich ist – wenn du so gehst –, dann bist du für Gott nicht gegangen. Vielmehr lebst du in einem anderen Reich und in einer anderen Form. Das Einzige, was passiert ist, ist, dass sich deine Existenzweise verändert hat – du bist nicht wirklich gestorben. In den Augen der Menschen heißt es: ‚Er ist in so jungen Jahren gestorben, wie bedauernswert!‘ Aber in den Augen Gottes bist du nicht gestorben oder gegangen, um zu leiden; vielmehr bist du gegangen, um Segnungen zu genießen und Gott näher zu kommen. Der Grund ist, dass du als geschaffenes Wesen in Gottes Augen bei der Ausführung deiner Pflicht bereits dem Standard entsprochen hast, du deine Pflicht jetzt zu Ende gebracht hast und Gott dich nicht mehr braucht, um diese Pflicht in den Reihen der geschaffenen Wesen auszuführen. Für Gott heißt dein ‚Gehen‘ nicht ‚gehen‘ – du wirst ‚weggeholt‘, ‚weggebracht‘ oder ‚weggeführt‘, und das ist gut so“ (Das Wort, Bd. 3, Die Diskurse des Christus der letzten Tage: Das Predigen des Evangeliums ist die Pflicht, zu deren Erfüllung alle Gläubigen verpflichtet sind). Während ich über Gottes Worte nachdachte, wurde mir klar, dass wir Menschen nicht über Leben und Tod entscheiden. Man stirbt nicht einfach, nur weil man es will, und überlebt nicht, nur weil man weiterleben möchte. Alles untersteht der Herrschaft und Vorherbestimmung Gottes. Mir wurde auch bewusst, dass es Gott erfreut, wenn geschaffene Wesen das Evangelium von der Errettung der Menschheit durch den Schöpfer verbreiten und ihre Verantwortlichkeiten und Pflichten erfüllen – selbst unter solch widrigen Umständen, in denen der große rote Drache wie wahnsinnig Christen verhaftet. Ich dachte an die Heiligen im Laufe der Geschichte. Sie hatten ihre kostbaren Leben geopfert, um das Evangelium des Herrn zu verbreiten. Manche wurden gesteinigt, andere von Pferden zu Tode geschleift – sie erlitten die grausamsten Tode. In den Augen der Menschen mögen ihre Tode brutal und tragisch gewesen sein, doch für Gott waren ihre Tode bedeutungsvoll und wertvoll. Und ich? Kaum geriet ich in Gefahr, hatte ich Angst vor dem Tod und klammerte mich an mein Leben und verstand überhaupt nicht, worum es beim Tod wirklich ging und was seine wahre Bedeutung war. Sollte ich eines Tages wirklich der Polizei in die Hände fallen, Gott verraten und aus Todesangst zu einem Judas werden, wäre ich eine Sünderin für alle Ewigkeit. Mein Körper, meine Seele und mein Geist würden auf ewig bestraft werden – und das wäre ein wirklicher Tod. Ganz gleich, wie bösartig und niederträchtig der große rote Drache auch wüten mag, er kann nur das Fleisch der Menschen zugrunde richten. Würde ich wirklich verhaftet und von der Polizei totgeprügelt werden, dann hätte ich um der Gerechtigkeit willen Verfolgung erlitten. Mein Fleisch würde zwar vergehen, doch meine Seele wäre weiterhin in Gottes Händen. Mit dieser Erkenntnis verlor ich die große Angst vor dem Tod.
Dann kamen mir diese Worte Gottes in den Sinn: „Alle, die Gott nachfolgen, führen in der Zeit der Ausbreitung von Gottes Führungswerk, ihre eigene Pflicht aus, und sie alle haben immer wieder die Unterdrückung und grausame Verfolgung durch den großen roten Drachen erlebt. Der Weg der Nachfolge Gottes ist rau und uneben, und er ist außerordentlich schwierig. Jeder, der Gott mehr als zwei oder drei Jahren nachgefolgt ist, wird das selbst erlebt haben. Die Pflicht, die jeder Mensch ausführt, ob es nun eine fixe Pflicht oder eine vorübergehende Anordnung ist, ergibt sich aus Gottes Souveränität und Anordnungen. Obwohl Menschen häufig verhaftet wurden und die Arbeit der Kirche gestört und ruiniert wurde und es einen augenscheinlichen Mangel an Menschen gab, die ihre Pflichten ausführen, insbesondere an jenen mit gutem Kaliber und Fachkompetenz, die in der Minderheit sind, ist Gottes Haus aufgrund von Gottes Führung, aufgrund Seiner Macht und Autorität bereits aus den schwierigsten Zeiten herausgetreten, und seine ganze Arbeit hat den richtigen Kurs eingeschlagen. Dem Menschen erscheint das unmöglich, aber für Gott ist nichts zu schwer zu erreichen“ (Das Wort, Bd. 3, Die Diskurse des Christus der letzten Tage: Das Predigen des Evangeliums ist die Pflicht, zu deren Erfüllung alle Gläubigen verpflichtet sind). Während ich über Gottes Worte nachdachte, wurde mir alles völlig klar. Ganz gleich, wie schwierig die Umstände auch waren, Gott nutzte stets Seine Autorität und Macht, um die Menschen Schritt für Schritt hindurchzuführen. Als Mose beispielsweise den Auszug der Israeliten anführte, lag das Rote Meer vor ihnen und eine Armee von Soldaten verfolgte sie. Die Menschen glaubten in ihren Auffassungen und Einbildungen, den Israeliten stünde der sichere Tod bevor. Doch Gott ließ nicht zu, dass die Soldaten den Israeliten schadeten. Er befahl Mose, mit seinem Stab auf das Rote Meer zu deuten, und die Wasser teilten sich und gaben einen Pfad aus trockenem Boden frei, auf dem die Israeliten das Meer überqueren konnten. Als die Soldaten ebenfalls versuchten, das Meer zu durchqueren, stürzten die Wasser über der trockenen Erde zusammen und ertränkten die gesamte Armee. Das zeigt uns Gottes Allmacht, Seine Weisheit und Seine wunderbaren Taten. Wäre ich nur eine halbe Stunde früher zum Haus der Schwester gegangen, wäre ich womöglich verhaftet worden. Doch dank Gottes wundersamem Schutz blieb ich unversehrt. Als mir das alles klar wurde, fasste ich vor Gott einen Entschluss: Sollte Er zulassen, dass ich von der Polizei festgenommen werde, wäre ich bereit, mich Seinen Orchestrierungen und Anordnungen zu unterwerfen. Selbst wenn man mich zu Tode prügeln würde, hätte ich um der Gerechtigkeit willen Verfolgung erlitten, und mein Tod wäre bedeutungsvoll. Mit diesem Verständnis wurde ich innerlich ganz ruhig. Nachdem ich sichergestellt hatte, dass mich niemand verfolgte, kontaktierte ich hastig die Brüder und Schwestern, die sich in versteckter Gefahr befanden, und sagte ihnen, sie sollten untertauchen.
Durch diese persönliche Erfahrung habe ich erkannt, dass die KPCh ein Dämon ist, der die Menschheit zugrunde richtet und ihr schadet. Sie verhaftete nach und nach die Brüder und Schwestern und bediente sich dabei der verabscheuungswürdigsten Methoden: Sie bedrohte sie, lockte sie mit falschen Versprechungen, folterte und quälte sie – all das nur, um sie dazu zu bringen, Gott zu verraten und einander ans Messer zu liefern. Sie ist verflucht und die reinste Verkörperung des Bösen! Ich hasste sie aus tiefstem Herzen und lehnte sie ab und rebellierte gegen sie. Zugleich wurde mein Entschluss noch fester, Gott bis zum allerletzten Ende zu folgen. Auch wenn ich bei diesen Erlebnissen ein wenig gelitten habe und mit Angst und Panik zu kämpfen hatte, half mir diese Erfahrung, meine egoistische, verabscheuungswürdige satanische Natur zu erkennen. Zudem durfte ich Gottes Allmacht, Herrschaft und wunderbare Taten miterleben. Das hat meinen Glauben an Gott gestärkt. Diese Erfahrung werde ich niemals vergessen; sie ist eine äußerst kostbare Lebenserfahrung für mich.