4. Nachdem mein Onkel ausgeschlossen wurde
Mein Onkel ist Arzt für traditionelle chinesische Medizin. Als ich zehn Jahre alt war, hatte ich einen Unfall und musste ununterbrochen Blut spucken. In diesem kritischen Moment war es mein Onkel, der mich rettete. Ich habe diese lebensrettende Güte nie vergessen und dachte mir, dass ich mich bei meinem Onkel unbedingt erkenntlich zeigen müsste, sobald ich erwachsen wäre. 2008 verstarb mein Vater an einer Krankheit. Als unsere ganze Familie in tiefer Trauer war, predigte uns mein Onkel das Evangelium der letzten Tage des Allmächtigen Gottes. Das gab uns nicht nur einen Halt, sondern auch die Chance, nach der Wahrheit zu streben und Errettung zu erlangen, was mich meinem Onkel gegenüber noch dankbarer machte. Wegen des Todes meines Vaters fiel es meiner Mutter schwer, die Schulkosten für uns drei Kinder aufzubringen. Daraufhin nahm mich mein Onkel bei sich auf, sodass ich an Gott glauben und gleichzeitig bei ihm die Heilkunde lernen konnte. Ich wohnte und aß bei ihm. Da meine Gesundheit nicht die beste war, bereitete mein Onkel oft nahrhaftes Essen für mich zu. Er behandelte mich wie seine eigene Tochter, daher war ich ihm zutiefst dankbar und dachte mir: Wenn er in Zukunft einmal in Schwierigkeiten stecken sollte, würde ich alles tun, was in meiner Macht steht, um ihm zu helfen.
2011 legte die Kirche fest, dass mein Onkel ein böser Mensch sei. Er war arrogant, eingebildet, stiftete auf unvernünftige Art und Weise Unruhe und nahm die Wahrheit überhaupt nicht an. Er quälte jeden, der ihm Vorschläge machte, und richtete und verurteilte oft Leiter und Mitarbeiter und griff sie an. Er provozierte Konflikte zwischen den Brüdern und Schwestern und den Leitern, was das Leben und die Arbeit in der Kirche ernsthaft störte. Die Brüder und Schwestern wurden von ihm so sehr unterdrückt, dass sie den Umgang mit ihm scheuten. Trotz wiederholter gemeinschaftlicher Austausche weigerte er sich, Buße zu tun. Die Kirche beschloss, ihn auszuschließen. Damals fragte mich der Leiter, ob ich mit meiner Unterschrift einverstanden wäre, und ich war wirklich hin- und hergerissen. Das Verhalten meines Onkels war sehr offensichtlich; selbst ich war durch seine Verachtung und seine Angriffe schon zu Tränen getrieben worden. Aber ich dachte: „Wenn ich unterschreibe und er es herausfindet, was wird er dann von mir denken? Mein Onkel hat mir als Kind das Leben gerettet, uns das Evangelium gepredigt und mir die Heilkunde beigebracht. Er ist in so vielerlei Hinsicht gut zu mir gewesen – wenn ich unterschreibe, wird er dann nicht sagen, ich sei herzlos und undankbar?“ Damals las mir der Leiter jedoch eine Passage aus Gottes Worten vor, die mich sehr berührte. Gott sagt: „Was sind die Grundsätze in Gottes Worten, laut denen die Menschen miteinander umgehen sollen? Liebe das, was Gott liebt, und hasse das, was Gott hasst. Das ist der Grundsatz, an den man sich halten sollte. Gott liebt diejenigen, die nach der Wahrheit streben und Seinen Willen befolgen können; das sind auch die Menschen, die wir lieben sollten. Diejenigen, die Gottes Willen nicht befolgen können, die Gott hassen und gegen Gott aufbegehren – diese Menschen werden von Gott verabscheut, und wir sollten sie auch verabscheuen. Das ist es, was Gott von den Menschen verlangt. … Der Herr Jesus sagte während des Zeitalters der Gnade: ‚Wer ist Meine Mutter, und wer sind Meine Brüder?‘ ‚Wer dem Willen Meines Vaters im Himmel folgt, der ist Mein Bruder, Schwester und Mutter.‘ Diese Worte gab es bereits damals im Zeitalter der Gnade und jetzt sind die Worte Gottes sogar noch klarer: ‚Liebe das, was Gott liebt, und hasse das, was Gott hasst.‘ Diese Worte bringen es auf den Punkt, doch die Menschen sind oft nicht imstande, deren wahre Bedeutung zu begreifen“ (Das Wort, Bd. 3, Die Diskurse des Christus der letzten Tage: Nur indem man seine eigenen falschen Ansichten erkennt, kann man sich wahrhaft wandeln). Als ich Gottes Worte las, fühlte ich mich etwas schuldig. Mein Onkel hatte sich eindeutig wie ein böser Mensch verhalten, aber ich wollte trotzdem nicht unterschreiben. Duldete ich damit nicht seine ständigen Störungen und Unterbrechungen in der Kirche? Ich sollte mich nicht von meiner Zuneigung leiten lassen, sondern nach Gottes Worten praktizieren: „Liebe das, was Gott liebt, und hasse das, was Gott hasst.“ Daraufhin unterschrieb ich.
2012 gab die Kirche eine Mitteilung über den Ausschluss meines Onkels heraus, und ich hatte ständig Angst, ihm gegenüberzutreten. Als mein Onkel später erfuhr, dass ich unterschrieben hatte, beschimpfte er mich, es fehle mir an Unterscheidungsvermögen, und nannte mich einen Dummkopf! Als ich ihn das sagen hörte, wusste ich, dass er nicht im Geringsten über seine bösen Taten nachgedacht oder sie verstanden hatte. Trotzdem fragte ich mich, ob ich mit meiner Unterschrift nicht doch zu herzlos und undankbar ihm gegenüber gewesen war. Später verließ ich aufgrund der Erfordernisse meiner Pflicht das Haus meines Onkels. Obwohl ich ihm nun nicht mehr gegenübertreten musste, hallten seine schimpfenden Worte noch immer in meinem Kopf nach. Insbesondere passierte später etwas, das mir das Gefühl gab, noch tiefer in seiner Schuld zu stehen, und am Ende tat ich etwas, womit ich mich Gott widersetzte.
Gegen Ende 2016 war ich wegen meiner Pflicht von zu Hause weg und wurde von Brüdern und Schwestern wegen einer schweren Lungenentzündung und eines Pleuraergusses ins Krankenhaus gebracht. Mein Onkel eilte ins Krankenhaus und kümmerte sich unermüdlich um mich, wobei er weder Kosten noch Mühen scheute. Mein Blutdruck war gefährlich niedrig, und er behandelte mich mit Akupressur. Nach meiner Entlassung bereitete er sogar traditionelle chinesische Medizin für mich zu, damit ich wieder zu Kräften kam. Als ich sah, dass er trotz meiner Unterschrift für seinen Ausschluss immer noch so gut zu mir war, wurden meine Schuldgefühle ihm gegenüber noch stärker. Während dieser Zeit erzählte mir mein Onkel, wie er in den letzten Jahren selbst nach seinem Ausschluss weiterhin das Evangelium gepredigt und mehrere Menschen zu Gott gebracht hatte. Weil er das Evangelium gepredigt hatte, war er sogar von der KPCh verhaftet worden. Außerdem hatte man sein Haus durchsucht, seinen Besitz beschlagnahmt und seine Apotheke geschlossen. Er verlor über 100.000 Yuan. Trotz der Verfolgung durch den großen roten Drachen verriet er nicht, wo die Bücher mit Gottes Worten aufbewahrt wurden. Als die KPCh ihm jedoch Fotos zeigte und ihn bat, die Brüder und Schwestern zu identifizieren, gab er zu, dass eine der Schwestern eine Leiterin war – genau die Leiterin, die ihn vor ein paar Jahren hatte ausschließen lassen. Nachdem er mir all das erzählt hatte, warf er mir vor, kein Gewissen zu haben. Er sagte, er hätte mich wie eine Tochter gesehen und sich wie ein Vater um mich gekümmert, ich hingegen hätte keinerlei menschliche Gefühle gezeigt und mich wie ein kaltblütiges Tier verhalten. Als ich ihn darüber reden hörte, fühlte ich mich in seiner Schuld und empfand zugleich Mitgefühl mit ihm. Ungefähr zu dieser Zeit hörte ich zufällig, wie die oberen Leiter sagten, dass Ausgeschlossene, wenn sie Reue zeigten, weiterhin an Gott glaubten und das Evangelium verbreiteten, wieder in die Kirche aufgenommen werden könnten. Das ließ mich an meinen Onkel denken. Ich überlegte: Obwohl er ausgeschlossen worden war, hatte er in den letzten Jahren das Evangelium verbreitet. Und auch als er von der KPCh verhaftet und verhört wurde, hatte er Gott nicht verleugnet. Wäre es dann nicht möglich, dass mein Onkel wieder in die Kirche aufgenommen werden würde? Selbst wenn er nur das Evangelium predigen und schuften würde, um seine vergangenen Verfehlungen wiedergutzumachen, wäre das schon in Ordnung. Und wenn danach andere mehr über Gottes Worte mit ihm Gemeinschaft halten würden, könnte er dann nicht allmählich anfangen, über das Böse, das er getan hatte, nachzudenken und so Reue und Veränderung erlangen? Wenn ich es schaffen würde, dass er wieder in die Kirche aufgenommen würde, würde er dann nicht sehen, dass ich doch ein Gewissen hatte und gar nicht so undankbar war? Als mir dieser Gedanke kam, hatte ich das Gefühl, eine Möglichkeit gefunden zu haben, es wiedergutzumachen und ihm seine Güte zu vergelten. Also schrieb ich an den Leiter und berichtete vom guten Verhalten meines Onkels. Aber dass er das Foto der Leiterin für die Polizei identifiziert hatte, sich vor mir beschwert und mir Vorhaltungen gemacht hatte – das alles ließ ich weg. Später veranlassten die Leiter, dass sich jemand mit ihm traf, um zu prüfen, ob er die Kriterien für eine Wiederaufnahme in die Kirche erfüllte. Ein paar Tage später sagte mir eine Schwester: „Als wir zu deinem Onkel gingen und ihn fragten, wie er über sich nachgedacht und versucht hätte, sich selbst zu erkennen, wurde er wütend und sagte: ‚Ihr seid überhaupt nicht hier, um die Fakten zu prüfen. Ihr und die Leiter, ihr deckt euch doch nur gegenseitig, ihr steckt doch alle unter einer Decke!‘ Er sah aus, als würde er uns gleich schlagen, und nur weil deine Tante ununterbrochen auf ihn einredete und ihn zurückhielt, ist nichts passiert. Dann fing er an, mit den Händen zu fuchteln und lautstark über die Vergangenheit zu schimpfen, suchte nach Fehlern, wollte die Sache nicht auf sich beruhen lassen und griff die Leiter an und richtete sie. Wir haben gesehen, dass er keinerlei Selbsterkenntnis hat und nicht geeignet ist, wieder in die Kirche aufgenommen zu werden.“ Dann hielt die Schwester auch mit mir Gemeinschaft darüber, wie man das Wesen meines Onkels unterscheiden und durchschauen konnte, und fragte mich nach meiner Sicht der Dinge. Angesichts des Verhaltens meines Onkels gab es nichts, was ich entgegnen konnte; er war tatsächlich nicht für eine Wiederaufnahme geeignet.
Später suchte ich nach Gottes Worten, die zu meinen Problemen passten. Ich las diese Worte Gottes: „Alle, die von Satan verdorben worden sind, weisen verdorbene Dispositionen auf. Einige weisen nichts weiter als verdorbene Dispositionen auf, während andere sich unterscheiden: Sie weisen nicht nur verdorbene satanische Dispositionen auf, sondern sind auch von einer extrem bösartigen Natur. Nicht nur, dass ihre Worte und Taten ihre verdorbenen satanischen Dispositionen offenbaren; diese Menschen sind darüber hinaus wahre Teufel und Satane. Ihr Verhalten unterbricht und stört Gottes Werk, es stört den Lebenseintritt der Brüder und Schwestern, und es schadet dem normalen Leben der Kirche. Früher oder später muss die Kirche von diesen Wölfen im Schafspelz gesäubert werden; gegenüber diesen Dienern Satans sollte eine schonungslose Haltung, eine Haltung der Zurückweisung, eingenommen werden. Nur dies bedeutet, auf Gottes Seite zu sein, und wer dies nicht tut, wälzt sich mit Satan im Schmutz“ (Das Wort, Bd. 1, Das Erscheinen und Wirken Gottes: Eine Warnung an diejenigen, die die Wahrheit nicht praktizieren). „Wer sind die Satane, wer sind die Dämonen und wer sind die Feinde Gottes? Sind diese Menschen nicht jene Widersacher, die nicht an Gott glauben? Sind sie nicht jene Menschen, die Gott gegenüber aufsässig sind? Sind sie nicht jene, die behaupten, zu glauben, aber denen es an Wahrheit mangelt? Sind sie nicht jene, die nur danach streben, Segnungen zu erlangen, während sie unfähig sind, für Gott Zeugnis abzulegen? Du mischst dich heute immer noch unter jene Dämonen und behandelst sie mit einem Gewissen und mit Liebe, doch bietest du in diesem Fall nicht Satan gute Absichten an? Bist du nicht mit Dämonen im Bunde? Wenn die Menschen bis hierher gekommen sind und immer noch unfähig sind, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, und weiterhin blind lieben und barmherzig sind, ohne jeden Wunsch, Gottes Absichten zu suchen, oder in irgendeiner Form fähig zu sein, Gottes Absichten als ihre eigenen anzunehmen, dann wird ihr Ende umso erbärmlicher sein. Jeder, der nicht an den Gott im Fleisch glaubt, ist ein Feind Gottes. Wenn du einem Feind Gewissen und Liebe entgegenbringen kannst – fehlt dir dann nicht ein Sinn für Gerechtigkeit? Wenn du mit denen vereinbar bist, die Ich verabscheue und denen Ich nicht zustimme, und du ihnen dennoch Liebe oder persönliche Gefühle entgegenbringst – bist du dann nicht aufsässig? Widersetzt du dich dann nicht vorsätzlich Gott? Besitzt eine solche Person tatsächlich Wahrheit? Wenn Menschen Feinden Gewissen, Dämonen Liebe und Satan Barmherzigkeit entgegenbringen, stören sie dann nicht vorsätzlich Gottes Werk?“ (Das Wort, Bd. 1, Das Erscheinen und Wirken Gottes: Gott und Mensch werden gemeinsam in die Ruhe eingehen). Gottes Worte gaben mir das Gefühl, zutiefst gerichtet zu werden. Mein Onkel war schon seit mehreren Jahren ausgeschlossen. Hätte er auch nur ein bisschen Gewissen oder Vernunft, hätte er nach all den Dingen, die er getan hatte – Menschen zu schaden, das Leben in der Kirche zu unterbrechen und zu stören und sich Gott zu widersetzen – ein schlechtes Gewissen gehabt. Er hätte über sich nachgedacht, es bereut und Buße getan. Vor allem hatten die Brüder und Schwestern und ich in dieser Zeit mit ihm Gemeinschaft gehalten und ihn auf seine Probleme hingewiesen, aber er hatte immer noch keinerlei Selbsterkenntnis, hasste mich sogar seit Jahren und die Leiterin noch mehr. Er glaubte, dass sein Ausschluss allein von anderen verursacht worden war, hegte Groll gegen die Leiterin, die ihn ausgeschlossen hatte, und identifizierte sie sogar auf dem Foto für die Polizei. Danach verbreitete er weiterhin seine Vorurteile gegen die Leiterin und verurteilte sie als falsche Leiterin und Antichristin. Es war klar, dass er das Wesen eines bösen Menschen besaß, dass seine Natur der Wahrheit abgeneigt war und sie hasste und dass er niemals Buße tun und sich ändern würde. Angesichts eines so wahrhaft bösen Menschen wollte ich weiter zeigen, dass ich ein Gewissen hatte, und wollte seine Güte vergelten, verteidigte ihn sogar, sprach gut von ihm und hoffte, er würde wieder in die Kirche aufgenommen. Ich war wirklich blind und töricht, unfähig, Gut von Böse zu unterscheiden. Versuchte ich nicht, mich bei Satan einzuschmeicheln, mich auf die Seite böser Menschen zu stellen und mich Gott zu widersetzen?
Später las ich eine Passage aus Gottes Worten und gewann ein gewisses Verständnis von Gottes gerechter Disposition. Danach war ich noch überzeugter, dass mein Onkel nicht wieder in die Kirche aufgenommen werden sollte. Gott sagt: „Es ist Mir egal, ob du dich enorm angestrengt und enorme Beiträge geleistet hast, ob du über große Erfahrung verfügst, ob du Mir genau folgst, ob du hoch angesehen bist oder ob sich deine Haltung verbessert hat; solange du nicht nach Meinen Forderungen gehandelt hast, wirst du niemals Meine Billigung erlangen können. Ihr solltet besser so schnell wie möglich alle diese Vorstellungen und Pläne aufgeben und Meine Anforderungen ernst nehmen. Andernfalls werde Ich jeden zu Asche machen und so Mein Werk zu einem Ende bringen; Meine jahrelange Arbeit und Meine Jahre des Leidens werden dann allenfalls nichts erreichen – denn Ich kann Meine Feinde und jene Menschen, die vom Gestank der Bosheit umgeben sind und das gleiche alte satanische Abbild haben, nicht in Mein Königreich bringen oder sie in das nächste Zeitalter mitnehmen“ (Das Wort, Bd. 1, Das Erscheinen und Wirken Gottes: Verfehlungen werden den Menschen in die Hölle führen). Nachdem ich Gottes Worte gelesen hatte, konnte ich Gottes heilige, gerechte und unverletzliche Disposition spüren und verstand auch die Grundsätze, nach denen Gott Menschen behandelt. Als ich die oberen Leiter sagen hörte, dass Ausgeschlossene, wenn sie weiterhin an Gott glaubten, das Evangelium predigten und Reue zeigten, wieder in die Kirche aufgenommen werden könnten, verglich ich das mit dem äußeren Verhalten meines Onkels. Ich dachte, da er nach seinem Ausschluss weiterhin das Evangelium gepredigt und Gott trotz Verhaftung und Verfolgung durch den großen roten Drachen nicht verleugnet hatte, könnte er trotzdem wieder aufgenommen werden, obwohl es ihm an Selbstreflexion und Erkenntnis mangelte. Nachdem ich Gottes Worte gelesen hatte, wurde mir klar, dass Gott Maßstäbe zur Beurteilung von Menschen hat und auch die Kirche Grundsätze für die Aufnahme von Menschen besitzt. Insbesondere bei denen, die in der Vergangenheit wegen böser Taten ausgeschlossen wurden, ist es entscheidend zu beurteilen, ob sie ihre bösen Taten wirklich verstanden, Buße getan und sich geändert haben. Wenn das nicht der Fall ist, können sie niemals wieder in die Kirche aufgenommen werden. Obwohl mein Onkel nach seinem Ausschluss weiterhin das Evangelium predigte und einige gute Verhaltensweisen zeigte, hatte er nicht im Geringsten über seine vergangenen bösen Taten oder seine verdorbene Natur nachgedacht und sie auch nicht verstanden. Egal, wie sehr andere mit ihm Gemeinschaft hielten, ihn auf seine Probleme hinwiesen oder ihn zurechtstutzten und bloßstellten, er kam zu keinerlei Einsicht. Er war sogar jedem feindselig gesinnt, der ihn zur Selbstreflexion drängte, verbreitete Vorurteile gegen die Leiter, führte Menschen in die Irre und störte und unterbrach das Leben in der Kirche. Dass ein so offensichtlich böser Mensch und Teufel ausgeschlossen wurde, geschah allein aufgrund von Gottes Gerechtigkeit. Es ist genau so, wie Gott sagt: „Denn Ich kann Meine Feinde und jene Menschen, die vom Gestank der Bosheit umgeben sind und das gleiche alte satanische Abbild haben, nicht in Mein Königreich bringen oder sie in das nächste Zeitalter mitnehmen.“ Aber ich sprach mich trotzdem für ihn aus und wollte, dass er wieder in die Kirche aufgenommen wurde. Wandte ich mich damit nicht gegen Gott? Als mir das klar wurde, wurde mir umso mehr bewusst, dass ich die Wahrheit nicht verstand und extrem ignorant und töricht war!
Später hatte ich noch oft mit meinem Onkel zu tun, da ich mich weiterhin von meiner Krankheit erholen musste. Sein Verhalten wurde sogar noch schlimmer; er richtete nicht nur über die Leiter, sondern sprach auch arrogant und richtete über den vom Heiligen Geist gebrauchten Mann. Das ließ mich sein Wesen, das die Wahrheit hasst und Gott feindlich gesinnt ist, noch klarer erkennen. Ich fühlte auch Schuld und Reue dafür, dass ich mich einst für ihn eingesetzt hatte. Ich konnte nicht umhin, mich zu fragen: „Warum wollte ich einem derart durch und durch bösen Menschen immer seine Güte vergelten?“ Ich konnte den Grund dafür nie finden, bis ich später eine Passage aus Gottes Worten las und die Wurzel des Problems entdeckte. Der Allmächtige Gott sagt: „Sprüche über moralisches Verhalten wie ‚Eine erwiesene Gunst sollte dankbar erwidert werden‘ sagen den Menschen nicht genau, welche Verantwortlichkeiten sie in der menschlichen Gesellschaft erfüllen sollten. Stattdessen verlangen sie von den Menschen, in absolut jeder Situation nach diesen Sprüchen zu handeln und zu praktizieren. Solche Geschichten wurden aus der chinesischen Antike überliefert. Zum Beispiel wird ein verhungernder Betteljunge von einer Familie aufgenommen, die ihn ernährt, mit Kleidung versorgt, ihn im Kampfsport unterrichtet hat und ihm alle Arten von Kenntnissen vermittelt. Sie warten, bis er erwachsen ist, und fangen dann an, ihn als Einkommensquelle zu benutzen. Sie schicken ihn aus, Böses zu tun, Menschen zu töten und Dinge zu tun, die er nicht tun will. Wenn du dir das vor dem Hintergrund all der Gefallen, die man ihm erwiesen hat, ansiehst, dann war das, was ihm passiert ist, eine gute Sache. Wenn du aber bedenkst, zu welchen Taten er später gezwungen wird, war es dann wirklich gut, oder war es schlecht? (Es war schlecht.) Aber unter der Konditionierung der traditionellen Kultur wie ‚Eine erwiesene Gunst sollte dankbar erwidert werden‘ können Menschen diese Unterscheidung nicht machen. Oberflächlich betrachtet scheint es, dass der Junge keine andere Wahl hatte, als böse Dinge zu tun und Menschen zu verletzen, zum Mörder zu werden – Dinge, die die meisten Menschen nicht tun wollen. Aber entsprang die Tatsache, dass er auf Geheiß seines Meisters diese schlimmen Dinge tat und tötete, nicht tief in seinem Inneren dem Wunsch, ihm seine Güte zu erwidern? Vor allem aufgrund der Prägung durch die traditionelle chinesische Kultur, die besagt, dass eine erwiesene Gunst dankbar erwidert werden sollte, können die Menschen nicht anders, als sich von diesen Vorstellungen beeinflussen und steuern zu lassen. Die Art und Weise, wie sie handeln, und die Absichten und Beweggründe hinter ihren Handlungen sind mit Sicherheit von diesen Vorstellungen eingeschränkt. Als diese Familie ihn anstiftete, Böses zu tun, was war sein erster Gedanke? ‚Diese Familie hat mich gerettet, und sie haben mir eine Gunst erwiesen. Ich muss ihre Gunst erwidern. Weil ich ihnen mein Leben verdanke, muss ich ihnen mein Leben verschreiben. Ich sollte alles tun, was sie von mir verlangen; selbst wenn sie von mir verlangen, Böses zu tun und Menschen zu töten, darf ich nicht darüber nachdenken, ob es richtig oder falsch ist; ich muss mich nur darauf konzentrieren, ihre Gunst zu erwidern. Hätte ich es noch verdient, Mensch genannt zu werden, wenn ich eine so große Gunst nicht erwidern würde?‘ Um also ihre Gunst zu erwidern, tat er, ohne lange darüber nachzudenken, alles, was sie von ihm verlangten, selbst wenn er aufgefordert wurde, Menschen zu töten und schlechte Dinge zu tun. Nur um ihre Gunst zu erwidern, handelte er entschlossen, ohne jedes Zögern und ohne jeden Zweifel. Welche Sichtweise beherrschte also das Verhalten und die Äußerungsformen, die er an den Tag legte, um ihre Gunst zu erwidern? Erfüllte er nicht dieses Kriterium für moralisches Verhalten? (Ja.) Was siehst du an diesem Beispiel? Ist die Aussage ‚Eine erwiesene Gunst sollte dankbar erwidert werden‘ eine gute Sache oder nicht? (Nein, das ist sie nicht, sie kennt keine Grundsätze.) Tatsächlich hatte der Junge doch einen Grundsatz, und zwar: ‚Eine erwiesene Gunst sollte dankbar erwidert werden. Wenn jemand dir eine Gunst erweist, musst du auch ihm eine Gunst erweisen. Wenn du es nicht tust, bist du kein Mensch, und es gibt nichts, was du sagen kannst, wenn du dafür verurteilt wirst. Der Spruch lautet: „Erwidere die Gunst eines Wassertropfens mit einer sprudelnden Quelle“ – von meiner Situation ganz zu schweigen. Was mir erwiesen wurde, war keine kleine Gunst, sondern ein lebensrettender Gunsterweis. Umso mehr sollte ich sie mit meinem Leben erwidern.‘ Er wusste nicht, was die Grenzen oder Grundsätze für die Erwiderung einer erwiesenen Gunst waren. Er glaubte, sein Leben sei ihm von dieser Familie geschenkt worden, also müsse er es ihr im Gegenzug widmen und alles tun, was sie von ihm verlangte, einschließlich Mord oder anderer böser Taten. Diese Art, eine Gunst zu erwidern, kennt keine Grundsätze oder Grenzen. Er machte sich zum Komplizen von Übeltätern und ruinierte sich dabei selbst. War es richtig, die erwiesene Güte auf diese Weise zu erwidern? Nein, natürlich nicht. Es war eine törichte Art, Dinge zu tun“ (Das Wort, Bd. 6, Über das Streben nach der Wahrheit: Was es bedeutet, nach der Wahrheit zu streben (7)). Nachdem ich Gottes Worte gelesen hatte, erkannte ich, dass ich mich meinem Onkel gegenüber immer in der Schuld gefühlt und den Wunsch gehegt hatte, etwas wiedergutzumachen und ihm seine Güte zu vergelten. Das lag hauptsächlich daran, dass ich durch die moralischen Vorstellungen „Eine erwiesene Gunst sollte dankbar erwidert werden“ und „Erwidere die Gunst eines Wassertropfens mit einer sprudelnden Quelle“ gebunden und eingeschränkt war. Ich glaubte, wenn mir jemand in meiner größten Not geholfen oder in einer Krisenzeit mein Leben gerettet hatte, müsste ich diese Güte für immer in Erinnerung behalten und sie in Zukunft angemessen vergelten. Nur so würde ich ein Gewissen und Menschlichkeit besitzen. Wenn ich nicht wüsste, wie man Güte vergilt, wäre ich ein undankbarer Mensch ohne Menschlichkeit, würde verstoßen und als undankbarer Schuft bezeichnet werden. Nehmen wir zum Beispiel meine Mutter. Sie hat vier Geschwister, und früher hatte ihre Familie finanzielle Probleme. Um die Finanzierung der Ausbildung meines ältesten Onkels zu unterstützen, gaben mein jüngster Onkel und meine Mutter ihre Chancen auf eine höhere Bildung auf. Schließlich fand mein ältester Onkel eine feste Anstellung, und die Familie hatte erwartet, dass er seinen Geschwistern helfen und sie unterstützen würde. Er half jedoch nicht nur seinen Geschwistern nicht, sondern unterstützte nicht einmal seine eigene Mutter. Alle unsere Verwandten und Freunde nannten ihn undankbar, und er wurde zu jemandem, den alle verschmähten. Da ich in einem solchen Umfeld aufwuchs, spürte ich, dass ich in Zukunft unbedingt ein Mensch mit Gewissen werden musste, der wusste, wie man Güte vergilt. Diese Denkweise führte dazu, dass ich in bestimmten Situationen nicht zwischen Richtig und Falsch unterscheiden konnte und nicht erkennen konnte, bei was für einer Art von Mensch ich mich da eigentlich erkenntlich zeigte. Es war mir egal, ob meine Handlungen mit den Wahrheitsgrundsätzen übereinstimmten. Wann immer mir jemand Gutes getan hatte, verspürte ich den Drang, dies nicht zu vergessen und mich erkenntlich zu zeigen. Genau wie bei meinem Onkel: Als es an der Zeit war, mit meiner Unterschrift seinem Ausschluss zuzustimmen, rang ich mit mir – schließlich hatte er mir das Leben gerettet, uns Gottes Evangelium der letzten Tage gepredigt und mich wie sein eigenes Kind behandelt. Diese Güte machte es mir schwer, zu unterschreiben. Ich hatte Angst, dass ich dadurch zu einem undankbaren Menschen ohne Gewissen werden würde. Obwohl ich letztendlich unterschrieb, konnte mein Gewissen es nicht überwinden, und ich fühlte mich in seiner Schuld. Als ich zudem krank wurde, während ich wegen meiner Pflicht nicht zu Hause war, eilte mein Onkel herbei und investierte viel Geld und Mühe, um sich um mich zu kümmern, was meine Schuldgefühle noch verstärkte. Nachdem ich also den gemeinschaftlichen Austausch der oberen Leiter über die Grundsätze zur Aufnahme von Menschen gehört hatte, wollte ich diese Gelegenheit nutzen, um mich bei meinem Onkel zu revanchieren. Obwohl klar war, dass mein Onkel weder über das Böse nachgedacht hatte, das er in den letzten Jahren getan hatte, noch es verstanden hatte, und er sogar Groll wegen seines Ausschlusses hegte und die Kirchenleiterin, die ihn ausgeschlossen hatte, beim großen roten Drachen identifizierte, sprach ich infolgedessen vor den Leitern gut von ihm, da ich von der Vorstellung „Eine erwiesene Gunst sollte dankbar erwidert werden“ beherrscht wurde. Ich vertuschte und verheimlichte damit sein schlechtes Verhalten in der Hoffnung, er würde wieder in die Kirche aufgenommen, sodass ich meine Schuld begleichen könnte. Mir wurde klar, dass die traditionelle Vorstellung „Eine erwiesene Gunst sollte dankbar erwidert werden“ mich einschränkte und mich unfähig machte, Gut von Böse und Richtig von Falsch zu unterscheiden. Sie brachte mich dazu, ohne jegliche Grundsätze und moralische Grenze zu handeln. Jetzt war die Zeit, die Kirche zu reinigen und sie von bösen Menschen, Antichristen und Ungläubigen zu säubern. Wenn ich weiterhin nur meinem Gewissen folgte und die Güte böser Menschen vergelten wollte, damit sie wieder in die Kirche aufgenommen würden, machte ich mich da nicht zur Komplizin böser Menschen und verursachte Unterbrechungen und Störungen? Wie unterschied sich mein Verhalten in seinem Wesen von dem, was Gott als den Bettler beschrieb, der aus Dankbarkeit einen Mord beging? Als ich das verstand, sah ich den Trugschluss und das Gift der traditionellen moralischen Vorstellung „Eine erwiesene Gunst sollte dankbar erwidert werden“ klar vor mir. Es ist ein absolut irreführender und verderblicher Trugschluss.
Danach las ich weitere Worte Gottes: „Das traditionelle kulturelle Konzept, dass ‚eine erwiesene Gunst dankbar erwidert werden sollte‘, muss erkannt werden. Der wichtigste Teil ist das Wort ‚Güte‘ – wie solltest du diese Güte sehen? Auf welchen Aspekt und welche Natur von Güte bezieht sich das Wort? Welche Bedeutung hat es, diese Gunst dankbar zu erwidern? Die Menschen müssen die Antworten auf diese Fragen herausfinden und dürfen sich auf keinen Fall von der Idee, Güte zu erwidern, einschränken lassen – für jeden, der nach der Wahrheit strebt, ist dies absolut notwendig. Was ist ‚Güte‘ nach menschlichen Auffassungen? Auf einer geringeren Ebene bedeutet Güte, dass jemand dir hilft, wenn du in Schwierigkeiten bist. Zum Beispiel gibt dir jemand eine Schüssel Reis, wenn du hungerst, oder eine Flasche Wasser, wenn du am Verdursten bist, oder hilft dir auf, wenn du hinfällst und nicht mehr aufstehen kannst. All diese Dinge stellen einen Gunsterweis dar. Mit einem großen Gunsterweis ist ein lebensrettender Gunsterweis gemeint oder die Güte, jemanden zu retten. Wenn dir zum Beispiel ein Unglück widerfährt und jemand dich rettet und dir hilft, das zu überstehen, oder wenn du in Lebensgefahr schwebst und jemand dir hilft und so deinen Tod verhindert – das sind einige der Dinge, die die Menschen als einen großen Gunsterweis betrachten. In den Augen der Menschen übertrifft diese Art von Gunsterweis jede materielle kleine Gefälligkeit – es ist ein großer Gunsterweis, der nicht in Geld oder materiellen Dingen gemessen werden kann. Diejenigen, die sie erhalten, empfinden eine Art von Dankbarkeit, die sich nicht mit ein paar Worten des Dankes ausdrücken lässt. Aber ist es richtig, dass die Menschen Güte auf diese Weise messen? (Nein.) Warum sagst du, dass es nicht korrekt ist? (Weil dieses Maß auf den Normen der traditionellen Kultur beruht.) Dies ist eine Antwort, die auf Theorie und der Lehre beruht, und obwohl sie richtig zu sein scheint, trifft sie nicht den Kern der Sache. Wie kann man es also praktisch erklären? Denk genau darüber nach. Vor einiger Zeit gab es im Internet ein Video, in dem ein Mann seinen Geldbeutel verliert, ohne es zu bemerken. Ein kleiner Hund in der Nähe sieht das, hebt den Geldbeutel auf und rennt ihm hinterher. Der Mann denkt fälschlicherweise, dass der Hund seinen Geldbeutel gestohlen hat, und schlägt ihn. Das ist doch absurd, oder? Der Mann hat weniger Moral als der Hund! Die Handlungen des Hundes entsprechen völlig den menschlichen Moralvorstellungen. Ein Mensch hätte gerufen: ‚Du hast dein Portemonnaie fallen lassen!‘ Aber da der Hund nicht sprechen kann, hebt er die Brieftasche einfach schweigend auf und trottet dem Mann hinterher. Wenn also ein Hund einige der guten Verhaltensweisen ausführen kann, zu denen die traditionelle Kultur anspornt, was sagt das dann über die Menschen aus? Menschen werden mit Gewissen und Vernunft geboren und sind daher umso besser in der Lage, diese Dinge zu tun. Solange jemand sein Gewissen spürt, kann er diese Art von Verantwortung und Verpflichtungen erfüllen. Es ist nicht notwendig, harte Arbeit zu leisten oder einen Preis zu zahlen, es erfordert wenig Aufwand und es geht einfach darum, etwas Hilfreiches zu tun, etwas, das anderen nützt. Aber kann man die Natur dieser Handlung wirklich als ‚Güte‘ bezeichnen? Erreicht sie das Niveau eines Akts der Güte? (Nein.) Da dies nicht der Fall ist, muss man dann von Erwiderung sprechen? Das wäre unnötig“ (Das Wort, Bd. 6, Über das Streben nach der Wahrheit: Was es bedeutet, nach der Wahrheit zu streben (7)). „Wenn Gott dich retten will, egal, wessen Dienste Er dafür in Anspruch nimmt, solltest du zuerst Gott danken und es von Gott annehmen. Du solltest deine Dankbarkeit nicht nur auf Menschen richten, geschweige denn, jemandem dein Leben aus Dankbarkeit opfern. Das ist ein schwerer Fehler. Entscheidend ist, dass dein Herz Gott dankbar ist und du es von Ihm annimmst“ (Das Wort, Bd. 6, Über das Streben nach der Wahrheit: Was es bedeutet, nach der Wahrheit zu streben (7)). Nachdem ich Gottes Worte gelesen hatte, gewann ich ein neues Verständnis und eine neue Definition der „Güte“ oder „Gunst“, auf die sich der Ausdruck „Eine erwiesene Gunst sollte dankbar erwidert werden“ bezieht. Früher dachte ich, wenn mir jemand in Schwierigkeiten oder Gefahren geholfen oder gar mein Leben gerettet hatte, sei dies eine große Güte, die ich nicht vergessen und später vergelten sollte. Durch Gottes Worte wurde mir nun klar, dass all dies nicht als Güte bezeichnet werden konnte; es waren schlichtweg menschliche Instinkte, etwas, das jeder tun würde, der ein Gewissen besitzt. Was meinen Onkel betrifft: Als Arzt war es völlig normal und seine Verantwortung, mein Leben zu retten, als er sah, dass ich in Gefahr schwebte. Darüber hinaus kommt mein Atem von Gott, und mein Leben und Tod stehen unter Gottes Herrschaft. Ich bin nicht nur deshalb am Leben, weil mein Onkel mich gerettet hat. Als meine Mutter nach dem Tod meines Vaters Mühe hatte, die hohen Kosten für mehrere Kinder zu tragen, ließ mich mein Onkel bei ihm Heilkunde lernen und bei ihm wohnen und essen. Und als er sah, dass meine Gesundheit schlecht war, gab er mir nahrhaftes Essen. Er kümmerte sich auch einige Jahre später um mich, als ich im Krankenhaus lag. All das unterlag Gottes Herrschaft und Seinen Anordnungen, und ich sollte es von Gott annehmen. Zudem predigte uns mein Onkel Gottes Evangelium der letzten Tage, was ebenfalls Gottes Herrschaft und Anordnung war. Derjenige, dem ich danken sollte, war Gott! Als ich das verstand, war ich endlich von den Schuldgefühlen befreit, die ich meinem Onkel gegenüber empfunden hatte.
Durch diese Erfahrung habe ich den Trugschluss der traditionellen moralischen Vorstellung „Eine erwiesene Gunst sollte dankbar erwidert werden“ klar erkannt und gesehen, wie sie die Menschen bindet und ihnen schadet. Ohne diese Erkenntnis hätte ich weiterhin wahllos und ohne Grundsätze oder moralische Grenze Güte vergolten und mich sogar Gott widersetzt, ohne es zu merken. Es waren Gottes Worte, die mich zu dieser Erkenntnis brachten. Dank sei Gott!