80. Warum ich immer Angst hatte, meine Ansicht zu äußern
Im März 2024 kam die Verantwortliche, um mit uns Probleme zusammenzufassen und über die Arbeit zu sprechen. Als wir gemeinsam eine Predigt besprachen, äußerte ich als Erste meine Ansicht, doch meine Ansicht war falsch, und auch die nächsten beiden Male war meine Ansicht falsch. Das war mir unglaublich peinlich. „Ich habe gleich beim ersten Kontakt mit der Verantwortlichen so viele Fehler gemacht. Das ist ja so beschämend! Die Schwester, mit der ich zusammenarbeitete, konnte einige Probleme erkennen, obwohl sie diese Pflicht gerade erst übernommen hatte, aber ich hatte schon so lange geübt und sah die Dinge immer noch falsch. Würde die Verantwortliche nicht denken, ich sei schlechter als die neue Schwester? Nächstes Mal werde ich meine Ansicht nicht so schnell äußern. Ich warte, bis alle anderen gesprochen haben, und melde mich erst dann zu Wort. Das ist sicherer.“ Als wir am nächsten Tag gemeinsam eine Predigt lasen, dachte ich sorgfältig darüber nach und entdeckte einige Probleme. Ich war mir aber nicht sicher, ob ich sie richtig sah oder doch nicht, und dachte bei mir: „Diesmal muss ich schlau sein. Ich höre mir erst an, wie die anderen es bewerten. Wenn ich dann rede, fasse ich die Ansichten aller zusammen. Das ist verlässlicher und lässt alle glauben, ich könne Probleme erkennen und mein Kaliber sei gar nicht so schlecht.“ Doch die Zeit zog sich hin, und niemand sagte etwas. Aus dem Augenwinkel sah ich, dass sie noch tief in Gedanken versunken waren, und ich überlegte: „Obwohl es jetzt schon ziemlich lange dauert, darf ich nicht als Erste den Mund aufmachen. Es wäre so peinlich, wenn ich wieder etwas Falsches sagen würde.“ Also tat ich so, als würde ich ernsthaft über das Problem nachdenken. Erst nach langer Zeit fingen einige Schwestern an zu reden. Nachdem alle anderen ihre Ansichten geäußert hatten, verknüpfte ich ihre Ansichten mit meinen eigenen und sprach sie aus. Ich war sehr nervös, als ich sprach, aus Angst, meine Ansicht könnte wieder falsch sein und ich würde wieder mein Gesicht verlieren. Später stimmte die Analyse der Verantwortlichen im Grunde mit meiner Ansicht überein. Ich freute mich insgeheim und hatte das Gefühl, meinen Stolz ein wenig gerettet zu haben. Doch nach zwei Tagen bemerkte die Verantwortliche, dass wir beim Besprechen der Predigten unsere Ansichten nicht aktiv äußerten; wir schoben alles vor uns her und verschwendeten Zeit. Sie deckte unsere Probleme auf. Ich dachte daran, dass ich diese Pflicht schon lange tat und Gruppenleiterin war. Ich hätte aktiv Gemeinschaft halten und alle in der Diskussion leiten sollen, doch ich hielt nicht einmal Gemeinschaft, wenn ich eine eigene Ansicht hatte. Verschwendete ich nicht einfach nur Zeit? Als wir später erneut Predigten besprachen, ergriff ich die Initiative, meine Ansichten zu äußern, und besprach alle Probleme, die ich entdeckte. Wenn ich jedoch einige Probleme nicht durchschauen konnte und meine Kommentare einseitig und ungenau waren, war mir das wirklich peinlich. Nachdem ich ein paar Mal meine Ansicht geäußert hatte, wurde ich wieder passiv und wartete immer, bis ich die Allerletzte war, die sprach. Ich bekam auch immer mehr Angst davor, Predigten zu besprechen, weil ich immer fürchtete, meine Unzulänglichkeiten würden bloßgestellt werden. Jedes Mal, wenn ich meine Ansicht äußerte, stand ich unter großem Druck, und mir kam sogar in den Sinn, diese Pflicht nicht mehr tun zu wollen.
Eines Tages, als wir Probleme in den Predigten besprachen, rief mich die Verantwortliche beim Namen auf, um als Erste zu sprechen. Ich sagte nichts. Die Verantwortliche sagte: „Du bist die Gruppenleiterin. Warum ergreifst du nie die Initiative, um Gemeinschaft zu halten? Hast du keine Ansichten oder wirst du von deiner verdorbenen Disposition eingeschränkt?“ Danach suchte die Verantwortliche eine Passage aus Gottes Worten heraus: „Deshalb ist harmonische Zusammenarbeit ein Praxisgrundsatz für die Ausführung der Pflicht. Solange du dein ganzes Herz, deine ganze Energie und deine ganze Hingabe einbringst und alles aufwendest, was du kannst, führst du deine Pflicht gut aus. Wenn du einen Einfall oder eine Idee hast, erzähle anderen davon; halte sie nicht zurück und verstecke sie nicht – wenn du Vorschläge hast, dann bring sie vor; eine Idee, die mit der Wahrheit übereinstimmt, muss akzeptiert werden und man muss ihr gehorchen, von wem sie auch stammen mag. Befolge dies, und du wirst eine harmonische Zusammenarbeit herbeigeführt haben. Das ist es, was es bedeutet, seine Pflicht hingebungsvoll auszuführen. Wenn du deine Pflicht ausführst, musst du nicht alles allein in die Hand nehmen, noch musst du dich zu Tode arbeiten oder ‚die einzige erblühte Blume‘ sein oder ein Einzelgänger; vielmehr musst du lernen, harmonisch mit anderen zusammenzuarbeiten und alles zu tun, was du kannst, um deiner Verantwortung nachzukommen und deine ganze Energie aufzuwenden. Das ist es, was es bedeutet, deine Pflicht auszuführen. … Vielleicht ist deine Stärke nur gering, doch wenn du fähig bist, mit anderen zusammenzuarbeiten, und in der Lage, angemessene Vorschläge anzunehmen, und wenn du die richtige Motivation hast und die Arbeit von Gottes Haus schützen kannst, dann bist du ein Mensch, der in Gottes Augen richtig ist. Manchmal kannst du mit einem einzigen Satz ein Problem lösen und jedem Nutzen bringen; manchmal, nachdem du über eine einzige Aussage der Wahrheit Gemeinschaft gehalten hast, haben alle einen Weg zum Praktizieren und können in Harmonie zusammenarbeiten, und alle streben ein gemeinsames Ziel an und teilen die gleichen Ansichten und Meinungen, was die Arbeit besonders effektiv sein lässt. Auch wenn sich vielleicht niemand daran erinnert, dass du diese Rolle gespielt hast, und du vielleicht nicht das Gefühl hast, als hättest du dich sehr angestrengt, wird Gott sehen, dass du ein Mensch bist, der die Wahrheit praktiziert, ein Mensch, der gemäß den Grundsätzen handelt. Gott wird sich daran erinnern, dass du das getan hast. Das heißt es, deine Pflicht hingebungsvoll auszuführen“ (Das Wort, Bd. 3, Die Diskurse des Christus der letzten Tage: Die richtige Pflichterfüllung erfordert eine harmonische Zusammenarbeit). Die Verantwortliche hielt Gemeinschaft und sagte: „Gott verlangt von uns, dass wir bei der Ausführung unserer Pflicht harmonisch zusammenarbeiten, die richtigen Absichten haben und die Arbeit der Kirche schützen. Wenn wir zum Beispiel gemeinsam Predigten besprechen, sollten wir die Initiative ergreifen und so viele Probleme ansprechen, wie wir sehen. Wir sollten uns unvorbehalten äußern und von den Stärken der anderen lernen, um unsere Schwächen auszugleichen. Selbst wenn wir nicht so umfassend darüber Gemeinschaft halten wie andere, sind zumindest unsere Absichten richtig, und wir praktizieren in diesem Prozess die Wahrheit. Wenn wir uns ständig verstellen und maskieren, um unsere persönlichen Interessen zu schützen, dann mag Gott solche Menschen nicht. Außerdem arbeiten wir alle schon eine Weile zusammen und kennen uns gegenseitig. Wenn wir uns einfach weiter verstellen und maskieren und denken, dass die anderen unsere Unzulänglichkeiten nicht bemerken, wenn wir nichts sagen, dann ist das sehr töricht. Wir werden nicht nur keine Fortschritte bei den Wahrheitsgrundsätzen machen, sondern auch die Ausführung unserer Pflicht behindern. Wenn das lange so weitergeht, werden wir das Werk des Heiligen Geistes verlieren.“ Als ich den gemeinschaftlichen Austausch der Verantwortlichen hörte, brannte mein Gesicht vor Scham, und ich fühlte mich bis ins Herz getroffen. Ich tat meine Pflicht in diesem Team schon lange, und egal wie viele Probleme ich entdecken konnte, ich hätte mich unvorbehalten äußern und darüber sprechen sollen, um alle in eine aktive Diskussion zu führen. Das bedeutet, Rücksicht auf die Arbeit zu nehmen, und ist ein Ausdruck davon, die Wahrheit zu praktizieren. Ich dachte jedoch nur an meinen eigenen Stolz und konnte nicht richtig mit meinen eigenen Unzulänglichkeiten umgehen. Ich dachte, wenn ich meine eigenen Ansichten und Ideen zuerst äußere, würde das meine Unzulänglichkeiten bloßstellen und es so aussehen lassen, als hätte ich ein geringes Kaliber. Deshalb wartete ich, bis alle anderen ihre Meinung gesagt hatten, um ihre Ansichten dann mit meinem eigenen Verständnis zu verbinden. Auf diese Weise konnte ich umfassender und konkreter sein, damit die Leute mich bewunderten und ich gut dastand. Als Gruppenleiterin nahm ich keine Rücksicht auf die Arbeit und schämte mich, wenn ich Fehler machte. Also versuchte ich alles Mögliche, um sie zu vertuschen und mich zu verstellen, damit niemand mich durchschauen würde. Und so kam es, dass ich bei der Besprechung der Probleme nur passiv dagesessen und dadurch den Arbeitsfortschritt verlangsamt habe. Ich tat meine Pflicht überhaupt nicht. Stattdessen benutzte ich die Gelegenheit der Predigtbesprechung, um mich selbst zur Schau zu stellen und andere dazu zu bringen, mich zu bewundern. Ich war immer die Letzte, die eine Meinung geäußert hat. Obwohl die Ansichten, die ich äußerte, umfassender waren und ich mein Gesicht wahrte, konnte ich meine eigenen Unzulänglichkeiten nicht erkennen und dachte sogar, ich sei gut darin, Probleme einzuschätzen. Eigentlich wusste jeder, welches Kaliber ich habe, aber ich zog trotzdem eine Show ab und bewunderte mich selbst in meiner Rolle wie ein Clown. Ich war wirklich zu töricht!
Nachts betete ich zu Gott: „Gott, in dieser Zeit habe ich ständig für meinen Stolz und meinen Status gelebt und hatte immer Angst, meine Ansichten zu äußern. Ich habe jedoch immer noch kein Verständnis meiner Verdorbenheit. Ich flehe Dich an, mich zu führen, damit ich meine Probleme erkenne.“ Nach dem Gebet erinnerte ich mich an eine Passage aus Gottes Worten, die ich zuvor gelesen hatte, und suchte sie heraus, um darüber nachzudenken. Gott sagt: „Manche Menschen sagen selten etwas, weil sie ein geringes Kaliber haben oder etwas einfältig sind und es ihnen an komplexen Gedanken fehlt. Aber wenn Antichristen selten etwas sagen, ist der Grund nicht derselbe; es handelt sich hier um ein Problem der Disposition. Bei Treffen mit anderen Leuten sagen sie selten etwas und äußern nicht bereitwillig ihre Ansichten zu dem, was andere Leute sagen. Warum tun sie das nicht? Zunächst einmal fehlt es ihnen definitiv an der Wahrheit, und sie können die Dinge nicht durchschauen. Wenn sie etwas sagen, könnten sie Fehler machen und durchschaut werden; sie fürchten, man könnte auf sie herabschauen, also geben sie vor, schweigsam zu sein, und tun so, als wären sie tiefgründig, damit andere sie schwer einschätzen können und sie weise und erhaben wirken. Aufgrund dieser Fassade wagen es die Menschen nicht, Antichristen zu unterschätzen, und angesichts ihres scheinbar ruhigen und gelassenen Auftretens halten die Leute noch mehr von ihnen und wagen es nicht, sie zu kränken. Das ist der hinterhältige und niederträchtige Aspekt von Antichristen. Sie teilen nicht bereitwillig ihre Ansichten mit, weil die meisten ihrer Ansichten nicht im Einklang mit der Wahrheit stehen, sondern nur menschliche Auffassungen und Einbildungen sind, die es nicht wert sind, offen ausgesprochen zu werden. Also schweigen sie. Innerlich hoffen sie, etwas Licht zu erlangen, das sie dann freisetzen können, um Bewunderung zu gewinnen, aber da ihnen das fehlt, bleiben sie beim gemeinschaftlichen Austausch über die Wahrheit still und versteckt, lauern wie ein Geist im Verborgenen und warten auf ihre Gelegenheit. Wenn sie sehen, dass andere Leute in ihren Worten Licht hervorbringen, lassen sie sich Methoden einfallen, um es an sich zu reißen, und drücken es auf andere Weise aus, um anzugeben. So gerissen sind Antichristen. Ganz egal, was sie tun: Sie bemühen sich immer, herauszustechen und allen überlegen zu sein, denn nur dann sind sie zufrieden. Wenn sich ihnen dazu keine Gelegenheit bietet, bleiben sie zunächst im Hintergrund und behalten ihre Ansichten für sich. Hier zeigt sich, wie gerissen Antichristen sind. Wenn zum Beispiel vom Haus Gottes eine Predigt herausgegeben wird, sagen manche Leute, dass sie ihnen wie Gottes Worte erscheint, und andere denken, dass sie eher wie gemeinschaftlicher Austausch des Oberen wirkt. Relativ naive Menschen sagen, was sie denken, aber selbst wenn sie eine Meinung zu der Sache haben, halten Antichristen diese verborgen. Sie beobachten und sind bereit, der Mehrheitsmeinung zu folgen, aber in Wirklichkeit können sie die Angelegenheit selbst nicht komplett begreifen. Können solch aalglatte und listige Menschen die Wahrheit verstehen oder echtes Urteilsvermögen haben? Was kann jemand, der die Wahrheit nicht versteht, denn durchschauen? Er kann nichts durchschauen. Manche Leute können gar nichts durchschauen und tun dennoch so, als seien sie tiefgründig; tatsächlich fehlt es ihnen an Urteilsvermögen, und sie fürchten, dass andere sie durchschauen werden. Die richtige Haltung in solchen Situationen ist: ‚Wir können diese Angelegenheit nicht durchschauen. Da wir es nicht wissen, sollten wir nichts Unbedachtes sagen. Etwas Falsches zu sagen, kann negative Auswirkungen haben. Ich werde abwarten und sehen, was der Obere sagt.‘ Ist das nicht eine ehrliche Aussage? Das sind so einfache Worte, und doch sagen die Antichristen sie nicht – warum? Sie sind sich ihrer eigenen Grenzen bewusst, und wollen nicht, dass man sie durchschaut; dahinter steckt jedoch auch eine verachtenswerte Absicht – bewundert zu werden. Ist das nicht das Widerlichste daran?“ (Das Wort, Bd. 4, Antichristen entlarven: Punkt 6). Gott hat enthüllt, dass Antichristen hinterlistig und verschlagen sind. Wenn sie gewohnheitsmäßig nicht viel reden, liegt das nicht daran, dass sie einfältig sind und keine Ideen haben. Stattdessen liegt es daran, dass sie einfach die Wahrheit nicht besitzen und die Dinge nicht durchschauen können. Sie geben sich jedoch tiefgründig, um ihre eigenen Unzulänglichkeiten nicht zu offenbaren. Sie warten auf eine Gelegenheit, die Ideen und Erkenntnisse anderer Leute zu stehlen, um sich selbst zur Schau zu stellen und anzugeben. Ihre Natur ist zu niederträchtig! Mein Zustand war genau das, was Gott enthüllt hat. Als ich sah, dass ich so viele Unzulänglichkeiten offenbarte, obwohl ich schon lange Textarbeit leistete, machte ich mir Sorgen, dass meine Brüder und Schwestern auf mich herabschauen würden, und hatte Angst, noch mehr Fehler zu machen und mich wieder zu blamieren. Deshalb hielt ich beim Besprechen von Problemen keine Gemeinschaft über meine eigenen Ansichten, selbst wenn ich eindeutig welche hatte, und tat sogar so, als würde ich ernsthaft nachdenken, wobei ich es absichtlich hinauszögerte, bis ich als Letzte dran war, um dann die Ansichten aller aufzugreifen. Selbst wenn die von mir geäußerte Ansicht falsch war, würden auf diese Weise auch alle anderen falsch liegen, und ich würde mein Gesicht nicht verlieren. Wenn ich richtig lag, dann wäre das, was ich sagte, besser und vollständiger als das, was meine Schwestern gesagt hatten. Das würde allen zeigen, dass ich, obwohl ich jung bin, ein gutes Kaliber habe und Probleme einschätzen kann, was mich gut dastehen lassen würde. Tatsächlich betrachte ich Probleme nicht umfassend, und mein Kaliber ist gering, aber ich konnte damit nicht richtig umgehen. Ich wollte mich ständig als jemand mit gutem Kaliber tarnen, um die Leute zu täuschen und in die Irre zu führen. Ich war wirklich so niederträchtig und hinterlistig. Was ich offenbart hatte, war die Disposition eines Antichristen, etwas, das Gottes Abscheu und Widerwillen auf sich zieht!
Während meiner Andachten las ich eine Passage aus Gottes Worten und erlangte eine gewisse Erkenntnis über die eigentliche Ursache meines Zustands. Der Allmächtige Gott sagt: „Wenn Familienälteste dir oft sagen, ‚Wie ein Baum seine Rinde braucht, so braucht ein Mensch seinen Stolz‘, damit du Wert darauf legst, ein gutes Bild von dir abzugeben, ein achtbares Leben zu führen und keine Dinge tust, die Schande über dich bringen. Führt dieser Spruch Menschen in eine positive oder negative Richtung? Kann es dich zur Wahrheit führen? Kann es dich dazu bringen, die Wahrheit zu verstehen? (Nein, das kann es nicht.) Ganz gewiss nicht! Gott verlangt von den Menschen, dass sie ehrlich sind. Wenn du eine Verfehlung begangen oder etwas falsch gemacht hast oder etwas getan hast, das sich gegen Gott und die Wahrheit auflehnt, musst du über dich selbst nachdenken, deinen Fehler erkennen und deine verdorbenen Dispositionen im Detail analysieren; nur so kannst du wahre Reue erlangen und danach im Einklang mit Gottes Worten handeln. Welche Denkweise müssen die Menschen besitzen, um Ehrlichkeit zu praktizieren? Gibt es einen Konflikt zwischen der erforderlichen Denkweise und der Sichtweise, die durch die Redewendung veranschaulicht wird ‚Wie ein Baum seine Rinde braucht, so braucht ein Mensch seinen Stolz‘? (Ja.) Worin liegt der Konflikt? Der Spruch, ‚Wie ein Baum seine Rinde braucht, so braucht ein Mensch seinen Stolz‘, soll die Menschen dazu bringen, es für wichtig zu halten, ihre leuchtende und bunte Seite auszuleben und mehr Dinge zu tun, die sie gut dastehen lassen, anstatt schlechte oder unehrenhafte Dinge zu tun, oder ihre hässliche Seite zu zeigen – und um sie daran zu hindern, ein Leben zu führen, das nicht achtbar oder würdevoll ist. Um des eigenen Stolzes willen, um das eigene Image aufzupolieren, kann man sich selbst nicht als völlig wertlos bezeichnen, geschweige denn anderen von seiner dunklen Seite und seinen beschämenden Aspekten erzählen, denn man muss ein achtbares und würdevolles Leben führen, und um Würde zu haben, braucht man Stolz, und um Stolz zu haben, muss man sich verstellen und sich herausputzen. Steht das nicht im Widerspruch dazu, ein ehrlicher Mensch zu sein? (Ja.) Wenn du ein ehrlicher Mensch bist, hast du die Redewendung ‚Wie ein Baum seine Rinde braucht, so braucht ein Mensch seinen Stolz‘ bereits aufgegeben. Wenn du ein ehrlicher Mensch sein willst, solltest du deinem Image keine Bedeutung beimessen; das Image eines Menschen ist keinen Cent wert. Angesichts der Wahrheit sollte man sich selbst bloßstellen, sich nicht verstellen oder eine Fassade schaffen. Man muss Gott seine wahren Gedanken, die Fehler, die man gemacht hat, die Aspekte, die gegen die Wahrheitsgrundsätze verstoßen, und so weiter offenbaren, und diese Dinge auch vor seinen Brüdern und Schwestern offenlegen. Es geht nicht darum, für seinen eigenen Stolz zu leben, sondern vielmehr darum, dafür zu leben, ein ehrlicher Mensch zu sein, dafür, nach der Wahrheit zu streben, dafür, als ein wahres geschaffenes Wesen zu leben und dafür zu leben, Gott zufriedenzustellen und gerettet zu werden. Aber wenn du diese Wahrheit nicht verstehst und Gottes Absichten nicht verstehst, verhält es sich normalerweise so, dass die Dinge, mit denen dich deine Familie geprägt hat, in deinem Herzen vorherrschen. Wenn du also etwas falsch machst, vertuschst du es und verstellst dich und denkst dabei: ‚Ich kann niemandem davon erzählen, und ich werde auch nicht zulassen, dass irgendjemand, der davon weiß, jemandem davon erzählt. Wenn einer von euch es jemandem erzählt, werde ich diese Person nicht ungeschoren davonkommen lassen. Mein Stolz steht an erster Stelle. Man lebt für nichts anderes als für den eigenen Stolz, der wichtiger ist als alles andere. Wenn ein Mensch keinen Stolz hat, verliert er seine ganze Würde. Du kannst also nicht ehrlich sprechen, du musst dich verstellen, musst Dinge vertuschen, andernfalls wirst du keinen Stolz oder keine Würde mehr haben, und dein Leben wird wertlos sein. Wenn niemand dich respektiert, bist du einfach wertlos, du bist einfach billiger Müll.‘ Ist es möglich, ein ehrlicher Mensch zu sein, indem man so praktiziert? Ist es möglich, völlig offen zu sein und sich selbst im Detail zu analysieren? (Nein, das ist es nicht.) Wenn du das tust, hältst du dich eindeutig an den Spruch ‚Wie ein Baum seine Rinde braucht, so braucht ein Mensch seinen Stolz‘, mit dem dich deine Familie geprägt hat. Wenn du diesen Spruch jedoch loslässt, um nach der Wahrheit zu streben und die Wahrheit zu praktizieren, wird es dich nicht mehr beeinflussen, und es wird nicht mehr das Motto oder der Grundsatz deines Handelns sein. Stattdessen wird sich das, was du tust, diesem Spruch, ‚Wie ein Baum seine Rinde braucht, so braucht ein Mensch seinen Stolz‘, genau entgegensetzen. Du wirst nicht für deinen Stolz oder für deine Würde leben, sondern du wirst dafür leben, nach der Wahrheit zu streben, ein ehrlicher Mensch zu sein und danach zu streben, Gott zufriedenzustellen und wie ein wahres geschaffenes Wesen zu leben. Wenn du dich an diesen Grundsatz hältst, hast du die Prägungen losgelassen, die deine Familie bei dir hervorruft“ (Das Wort, Bd. 6, Über das Streben nach der Wahrheit: Wie man nach der Wahrheit strebt (12)). Nachdem ich Gottes Worte gelesen hatte, erinnerte ich mich daran, dass meine Mutter mir von klein auf beigebracht hatte, dass man im Leben sein Gesicht wahren muss und seine schlechten Seiten nicht vor anderen Leuten zeigen darf, sonst schauen sie auf einen herab. Seitdem war das satanische Gift „Wie ein Baum seine Rinde braucht, so braucht ein Mensch seinen Stolz“ tief in meinem Herzen verwurzelt. Ich glaubte, dass man im Leben sein Gesicht wahren muss und seine eigenen Unzulänglichkeiten und Schwächen auf keinen Fall einfach so enthüllen darf. Das zu tun, käme einer Selbsterniedrigung gleich und man würde seine ganze Integrität und Würde verlieren. Weil ich von diesen Gedanken und Ansichten beherrscht wurde, achtete ich besonders darauf, mein Gesicht zu wahren, und legte meine Schwächen und Unzulänglichkeiten nie einfach so offen, sondern versuchte sogar, Wege zu finden, sie zu vertuschen und zu verbergen. Als ich zum Beispiel in der Schule war, hatte ich Angst, mein Gesicht zu verlieren und herabgewürdigt zu werden, wenn ich andere fragte, obwohl ich manche Fragen eindeutig nicht gut verstand, also fragte ich nicht. Genauso verhielt es sich jetzt bei der Ausführung meiner Pflicht. Wenn alle gemeinsam Probleme besprechen, dient das dazu, unser Verständnis und unsere Ansichten auszutauschen. Wir sollten so viel reden, wie wir verstehen. Je mehr wir uns austauschen, desto klarer werden wir und desto umfassender sehen wir die Probleme. Das ist förderlich für die Arbeit und kann auch unsere gegenseitigen Unzulänglichkeiten ausgleichen. Ich hatte jedoch Angst, dass es so aussehen würde, als hätte ich ein geringes Kaliber, wenn ich zu viele Fehler machte. Deshalb war ich sehr vorsichtig, wenn ich meine Meinung äußerte. Ich musste einen Satz mehrmals im Kopf durchgehen, bevor ich ihn sagte, aus Angst, mich zu blamieren, wenn ich nicht aufpasste. Obwohl ich Probleme eindeutig nicht umfassend betrachten konnte, traute ich mich nicht, meine Ansichten wahrheitsgemäß zu sagen. Ich wollte sogar die Erkenntnisse und Meinungen der anderen stehlen und als meine eigenen ausgeben, um mein Ziel zu erreichen, bewundert zu werden. Als die Verantwortliche mich bat, beim gemeinschaftlichen Austausch den Anfang zu machen, verschwendete ich lieber Zeit und verzögerte den Fortschritt, anstatt proaktiv Gemeinschaft zu halten. Meine Meinung zu äußern, war für mich wirklich schmerzhaft, und ich dachte sogar daran, meine Pflicht aufzugeben. Mein Gesicht zu wahren stellte ich über meine Pflicht und das Praktizieren der Wahrheit. Ich sah, dass das Leben nach diesen satanischen Giften mich besonders egoistisch und hinterlistig gemacht hatte. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich mich der Gefahr aussetzte, mich zu blamieren, wenn ich mich unvorbehalten äußerte, und dass es sehr peinlich wäre, wenn ich eine falsche Ansicht äußerte. Gott sieht das jedoch nicht so. Gott möchte, dass wir ehrliche Menschen sind, dass wir unsere wahren Gedanken offenlegen und über so viel Gemeinschaft halten, wie wir verstehen, und dass wir uns aufrichtig verhalten; nur dann können wir mit Würde und Integrität leben. Ich habe viele Unzulänglichkeiten und Schwächen, und durch den gemeinschaftlichen Austausch aller können meine Unzulänglichkeiten ausgeglichen werden. Das ist eigentlich eine gute Gelegenheit für mich, die Wahrheit zu verstehen. Ich versuchte jedoch immer, mein Gesicht zu wahren, und war negativ und passiv, wodurch ich viele Gelegenheiten verpasste, die Wahrheit zu erlangen. Ich habe mir selbst geschadet!
Später suchte ich weiter bezüglich meiner eigenen Probleme, und ein Weg der Praxis wurde klarer. Ich las die Worte Gottes: „Um ein ehrlicher Mensch zu sein, musst du zuerst dein Herz offenlegen, damit jeder hineinschauen kann, alles sehen kann, was du denkst, und dein wahres Gesicht betrachten kann. Du darfst nicht versuchen, dich zu verstellen oder dich zu verhüllen. Nur dann werden andere dir vertrauen und dich für einen ehrlichen Menschen halten. Dies ist die grundlegendste Praxis und eine Voraussetzung dafür, ein ehrlicher Mensch zu sein. Wenn du dich immer verstellst, immer Heiligkeit, Erhabenheit, Größe und einen tadellosen Charakter vortäuschst, deine Verdorbenheit und Fehler vor anderen verbirgst, ihnen ein falsches Bild präsentierst und sie glauben machst, dass du aufrichtig, großartig, opferbereit, gerecht und selbstlos bist – liegt darin nicht Verlogenheit und Täuschung? Werden die Leute dich mit der Zeit nicht durchschauen können? Sei also kein Heuchler und baue keine Fassade auf. Sei stattdessen einfach und offen und lerne, dich zu offenbaren – lege dein Herz offen, damit andere es sehen können. Wenn du all deine Gedanken und all die Dinge, die du tun willst – seien sie positiv oder negativ – offenlegen kannst, damit andere sie sehen, bist du dann nicht ehrlich? … Ist dies leicht zu erreichen? Es erfordert eine Zeit der Übung und auch regelmäßiges Gebet zu Gott und Vertrauen in Ihn. Du musst dich darin üben, in allen Angelegenheiten die Worte in deinem Herzen rein und offen auszusprechen. Mit einer solchen Übung kannst du Fortschritte erzielen. Wenn du auf eine größere Schwierigkeit stößt, musst du zu Gott beten und die Wahrheit suchen; du musst in deinem Herzen kämpfen und das Fleisch überwinden, bis du die Wahrheit praktizieren kannst. Indem du dich auf diese Weise darin übst, wird sich dein Herz Stück für Stück öffnen. Du wirst immer reiner werden, und was deine Worte und Handlungen bewirken, wird anders sein als zuvor. Deine Lügen und Tricks werden immer weniger werden, und du wirst in der Lage sein, vor Gott zu leben. Dann wirst du im Grunde ein ehrlicher Mensch geworden sein“ (Das Wort, Bd. 3, Die Diskurse des Christus der letzten Tage: Die grundlegendste Praxis, eine ehrliche Person zu sein). „Ehrliche Menschen können Verantwortung übernehmen. Sie erwägen nicht ihren eigenen Gewinn und Verlust; sie schützen einfach die Arbeit und die Interessen von Gottes Haus. Sie haben ein gütiges und ehrliches Herz, das wie eine Schüssel mit klarem Wasser ist, bei der man auf einen Blick den Boden sehen kann. Außerdem liegt auch Transparenz in ihrem Handeln“ (Das Wort, Bd. 5, Die Verantwortlichkeiten von Leitern und Mitarbeitern: Die Verantwortlichkeiten von Leitern und Mitarbeitern (8)). Durch Gottes Worte verstand ich, dass man beim gemeinschaftlichen Austausch oder der Besprechung der Arbeit in der Kirche unvorbehalten und offen und ein ehrlicher Mensch sein muss, ohne auf das eigene Ansehen oder die eigenen Interessen Rücksicht zu nehmen oder sich zu verstellen und zu maskieren. Wenn man bei seiner Pflicht Probleme entdeckt, sollte man sich öffnen und darüber sprechen und keine Angst haben, seine Meinung zu äußern. Das ist von Vorteil für die Arbeit der Kirche, und Brüder und Schwestern können sich gegenseitig ergänzen. Früher war ich immer von meinem Stolz eingeschränkt und traute mich nicht, meine Meinung zu sagen. Jedes Mal, wenn wir Predigten besprachen, stand ich unter großem Druck. Ich hatte Angst, meine Unzulänglichkeiten zu enthüllen, also zögerte ich es hinaus, meine Meinung zu äußern und hielt den Fortschritt immer wieder auf. Ich machte nicht nur selbst keine Fortschritte, Gott hatte deswegen auch Abscheu vor mir. Das war die bittere Frucht davon, die Wahrheit nicht zu praktizieren! Ich dachte an das, was der Herr Jesus gesagt hatte: „Wahrlich Ich sage euch: Es sei denn, dass ihr umkehret und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen“ (Matthäus 18,3). Gott liebt ehrliche Menschen. Wenn ich nicht so unvoreingenommen und ehrlich sein kann wie ein kleines Kind, werde ich nicht gerettet werden. In dieser Zeit betete ich oft zu Gott und flehte Ihn an, mein Herz genau zu prüfen und mir Glauben und Kraft zu geben. Ich war bereit, meinen Stolz und meine Interessen loszulassen, die Wahrheit zu praktizieren und ein ehrlicher Mensch zu sein, so viel zu sagen, wie ich verstand, mich unvorbehalten zu äußern und nicht länger meinen eigenen Stolz und meinen Status zu schützen.
Bald darauf ging ich an einen anderen Ort, um textbasierte Pflichten zu tun. Als wir einmal eine Predigt besprachen, konnte ich ein Problem darin nicht klar durchschauen. Nachdem ich sie mehrmals gelesen hatte, war ich immer noch etwas verwirrt, also zögerte ich, meine Meinung zu äußern. Während die Zeit verstrich, wurde ich immer unruhiger. Ich dachte bei mir: „Ich bin mir bei dieser Frage immer noch nicht ganz im Klaren. Sollte ich etwas dazu sagen? In letzter Zeit gab es oft Abweichungen in den Ansichten, die ich bei der Besprechung von Predigten geäußert habe. Was mache ich, wenn ich wieder etwas Falsches sage? Was werden die Verantwortliche und meine Arbeitspartnerin denken? Werden sie nicht denken, dass mein Kaliber ziemlich gering ist und ich dieser Pflicht nicht gewachsen bin? Vielleicht sollte ich darauf warten, dass meine Arbeitspartnerin zuerst spricht. Ich höre mir ihre Ansicht an und entscheide dann, ob ich etwas sagen soll.“ Dann dachte ich jedoch, dass es Zeitverschwendung wäre, wenn ich es noch länger hinauszögere. Ich betete still in meinem Herzen und flehte Gott an, mein Herz zu beruhigen, damit ich nicht mehr weiter von Stolz gefesselt sein musste, und so viel Gemeinschaft halten konnte, wie ich verstand. Ich erinnerte mich an die Worte Gottes: „Sei kein Heuchler und baue keine Fassade auf. Sei stattdessen einfach und offen und lerne, dich zu offenbaren – lege dein Herz offen, damit andere es sehen können“ (Das Wort, Bd. 3, Die Diskurse des Christus der letzten Tage: Die grundlegendste Praxis, eine ehrliche Person zu sein). „Ehrliche Menschen können Verantwortung übernehmen. Sie erwägen nicht ihren eigenen Gewinn und Verlust; sie schützen einfach die Arbeit und die Interessen von Gottes Haus. Sie haben ein gütiges und ehrliches Herz, das wie eine Schüssel mit klarem Wasser ist, bei der man auf einen Blick den Boden sehen kann. Außerdem liegt auch Transparenz in ihrem Handeln“ (Das Wort, Bd. 5, Die Verantwortlichkeiten von Leitern und Mitarbeitern: Die Verantwortlichkeiten von Leitern und Mitarbeitern (8)). Gottes Worte gaben mir Kraft im Herzen. Auch wenn ich dieses Problem nicht ganz durchschauen konnte, hatte ich doch eine eigene Ansicht. Ich musste mutig sein, unvorbehalten sagen, was ich dachte, und aufhören, mich zu verstellen und zu maskieren. Also äußerte ich meine Ansichten und sprach auch über meine Verwirrung. Die Verantwortliche ging auf einige Details meiner Ansichten ein, und dadurch wurde das Problem, das mich verwirrte, gelöst, und ich erkannte auch meine eigenen Unzulänglichkeiten und Schwächen. Ich war sehr froh, dass ich meine Ansichten und Gedanken ausgesprochen hatte, sonst wäre ich wegen dieses Problems immer noch verwirrt. Obwohl dieser Schritt meine Unzulänglichkeiten offenbart hat, hat er auch geholfen, sie auszugleichen. Wenn wir uns danach über die Arbeit austauschten oder wir Predigten besprachen, habe ich bewusst meinen Stolz losgelassen und so viel gesagt, wie ich verstand. Das hat zwar viele meiner Unzulänglichkeiten und Schwächen offenbart und ich habe dabei auch ein wenig mein Gesicht verloren, aber die relevanten Wahrheitsgrundsätze wurden mir viel klarer, und meine Effizienz bei der Ausführung meiner Pflicht hat sich stark verbessert. Ich habe nun erfahren, dass es mir viele Vorteile gebracht hat, die Wahrheit zu praktizieren und ein ehrlicher Mensch zu sein. Ich bin nicht mehr in so viele Bürden bei meiner Pflichtausführung verstrickt, und mein Denken ist viel einfacher geworden. Dass ich überhaupt ein wenig praktizieren und in die Praxis eintreten konnte, verdanke ich der Erleuchtung und Führung durch Gottes Worte. Gott sei Dank!